• Interview im holländischen Fernsehen: Heesters: Zum 105. Geburtstag eine Hitler-Äußerung

Interview im holländischen Fernsehen : Heesters: Zum 105. Geburtstag eine Hitler-Äußerung

Kurz vor seinem 105. Geburtstag an diesem Freitag hat Johannes Heesters dem niederländischen Fernsehen ein Interview gegeben. Der Moderator fragte ihn, ob Hitler ein guter Kerl gewesen sei. Die Antwort des alten Mannes hat zu einer Kontroverse zwischen seiner Frau und dem Sender geführt, die niederländischen Medien aber reagieren zurückhaltend.

Kinderdienst: Johannes Heesters wird 105 Foto: ddp
Johannes Heesters feiert an diesem Freitag seinen 105. Geburtstag. -Foto: ddp

Amsterdam/Berlin Auf die Frage, ob Hitler denn ein "guter Kerl" gewesen sei, antwortete der hochbetagte Bühnen- und Filmstar nach Angaben der niederländischen Nachrichtenagentur ANP auf holländisch: "Adolf Hitler, ja Gott, ich kenn den Mann wenig. Ein Kerl, weißt du, das war er, ein guter Kerl."

Nach einer erschrockenen Reaktion seiner Frau sagte Heesters bei der Aufzeichnung des Interviews: "Nun ja, das war er nicht, aber für mich war er nett." Niederländische Medien reagierten am Donnerstag zunächst mit deutlicher Zurückhaltung auf das am Vorabend vom Sender Nederland 3 im Rahmen der satirischen Rubrik "Schakale" ausgestrahlte Interview, die von der Fernsehgesellschaft VARA produziert wird. In Online-Blogs wurde dagegen Kritik an Heesters geübt. Vielfach wurde dort jedoch auch die Auffassung geäußert, man solle dem Künstler, der an diesem Freitag seinen 105. Geburtstag feiert, sein hohes Alter zugutehalten und die Äußerung nicht zu ernst nehmen. Die Frau des Altstars betonte in einer der dpa in Berlin übermittelten Presseerklärung, ihr Mann sei von den Interviewern "hereingelegt" worden.

"Überfallartig"

Seine Frau Simone Rethel-Heesters betonte, ihr Mann sei in dem Interview "überfallartig" mit Fragen nach Hitler und Stalin konfrontiert worden. Nach ihren Angaben antwortete Heesters auf die Frage "War Hitler ein netter (guter) Kerl?" (Was Hitler een aardige man?) unter anderem: "...für seine Soldaten war er aardig (gut), d i e fanden ihn gut". Sie sei überzeugt, dass die ungeschickte und "schreckliche Antwort" ihrem Mann "in den Mund gelegt" worden sei, sagte Simone Rethel-Heesters. Sie selbst habe die "perfide Frage" des Interviewers nicht verstanden, weil sie in Holländisch gestellt wurde. "Mein Mann hat leider immer wieder versucht, die Frage nach 'Hitler, dem guten Mann' zu beantworten, indem er sich immer wieder ungeschickt und für ihn entsetzlich verfänglich ausdrückte. Mein Mann äußerte sich während des Interviews sehr wohl gegen das Regime: "Ich war nicht in der NSDAP. Ich war kein Parteimitglied, ich wollte nichts mit den Herren Goebbels, Göring zu tun haben."

Dass dies nicht gezeigt wurde, sei bezeichnend. Sie sei überzeugt davon, betonte Simone Rethel-Heesters, "dass Jopies Lebensleistung nicht durch einen einzigen unglücklichen Satz in einem Interview geschmälert wird, das er im Alter von 105 gegeben hat. Mein Mann ist im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen immer auf Distanz zu den braunen Machthabern geblieben und hat in der Vergangenheit hundertfach in Interviews zum Ausdruck gebracht, dass er für Hitler und seine Gefolgsleute stets nur Verachtung übrig hatte." Mit der Ausstrahlung dieses Interviews, "das von einem jungen Mann geführt wurde, der gar nicht auf die Schwierigkeiten eines sehr sehr alten, blinden Mannes einging und zynische Fragen stellte, die ein 105-Jähriger nicht mehr durchschaute, versucht man zweifellos, das Leben meines Mannes zu zerstören. Für sie und ihren Mann, der sich so sehr auf die Feiern zu seinem 105. Geburtstag an diesem Freitag gefreut habe, sei die momentane Situation "eine Katastrophe", sagte die Ehefrau des Schauspielers. "Er ist zurzeit praktisch nicht mehr in der Lage, seine Rolle zu spielen, und würde bei nochmalig auftretenden Bühnenschwierigkeiten aufhören müssen."

Heesters spielt noch bis zum 18. Januar in Hamburg den Kaiser Franz Joseph in der Operette "Im weißen Rössl". Der aus Holland stammende Schauspieler setzt sich zurzeit vor dem Berliner Landgericht gegen Behauptungen zur Wehr, er sei bei einem Besuch zusammen mit dem Ensemble des Münchner Gärtnerplatztheaters 1941 im KZ Dachau dort auch aufgetreten. Das Urteil soll am 16. Dezember verkündet werden. Der Sender bestreitet, Heesters freundliche Worte über Adolf Hitler in den Mund gelegt zu haben "Heesters bekam vier Mal die Gelegenheit zu reagieren. Wir haben ihm nichts in den Mund gelegt", sagte Sender-Sprecherin Maud Burgers am Donnerstag. Der Schauspieler habe einen geistig fitten Eindruck gemacht. In dem Programm war auch die heftige Reaktion von Simone Rethel zu sehen, die ihren Mann wegen seiner Worte zurechtwies. "Jetzt darf ich nichts mehr sagen", sagte Heesters daraufhin zu dem Reporter.

Satiresendung

Das umstrittene Interview wurde in der satirischen Rubrik der Talkshow ausgestrahlt. Darin konfrontieren zwei Reporter Prominente mit frechen und oft respektlosen Fragen. Die Show "De Wereld draait door" ist jeden Abend von 19.30 bis 20.15 Uhr zu sehen und bietet eine Mischung aus Unterhaltung, Nachrichten und Information. Der Titel ist ein Wortspiel und bedeutet sowohl "Die Welt dreht sich weiter" als auch "Die Welt dreht durch". Mit täglich rund 900.000 Zuschauern ist die preisgekrönte Sendung einer der meistgesehenen Talkshows der Niederlande. Der gebürtige Amersfoorter Heesters war in seiner Heimat lange umstritten. Niederländer warfen ihm vor, in Nazideutschland Karriere gemacht zu haben. Im Frühjahr 2008 war Heesters nach über 50 Jahren erstmals wieder in den Niederlanden aufgetreten. Befürchtungen, es könne große Proteste geben, bewahrheiteten sich nicht. Der Schauspieler wurde vom Publikum bejubelt.

Heesters ist am 13. Dezember Gast in Thomas Gottschalks ZDF-Show "Wetten, dass..?" in Stuttgart. Das bestätigte ein ZDF-Sprecher am Donnerstag auf Anfrage. Damit löst Gottschalk ein Versprechen ein, das er vor fünf Jahren, am 6. Dezember 2003, gab, als Heesters einen Tag nach seinem 100. Geburtstag das letzte Mal in seiner Sendung war. Gottschalk kündigte damals an, Heesters zum 105. Geburtstag wieder einzuladen. (dpa)

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