Welt : Invasion auf dem Mars

ANDREAS OSWALD

Heute um 19 Uhr landet unter großem Rummel die US-Sonde Pathfinder auf dem Roten PlanetenVON ANDREAS OSWALDDie grünen Marsmännchen werden sich wundern.An diesem Freitag um 3 Uhr Marszeit (19 Uhr MESZ) werden sie, so es sie gibt, die Invasion von einem anderen Stern erleben.Ginge es nach Hollywood, würde es an diesem Tag, dem amerikanischen Independence Day, anders kommen.In Roland Emmerichs Erfolgsfilm beginnt an diesem Tag die Invasion Außerirdischer auf der Erde.Aber die Amerikaner haben die Sache umgedreht.Die US-Sonde Pathfinder soll heute auf dem Mars landen und eine neue Runde in der Eroberung des Alls einläuten. Auch auf der Erde wird es einen großen Rummel um dieses Ereignis geben.Einige Fernsehanstalten haben Live-Sendungen angekündigt.Die Zuschauer sollten sich davon nicht zuviel versprechen.Wenn die Sonde gegen 19 Uhr unserer Zeit landet, ist es auf dem Landeplatz auf dem Mars noch tiefe Nacht.Aktuelle Bilder wird es im Fernsehen dann noch nicht geben, dafür viele Interviews mit Experten und Visionären, die wahrscheinlich die große Bedeutung der Mars-Erkundung hervorheben werden. Was bereits vorliegt und schon seit Tagen im Internet verbreitet wird, sind Computersimulationsfilme und schöne Bilder, die die Vorgänge veranschaulichen.Einige wurden an dieser Stelle bereits gedruckt.Nach Angaben von Ralf Jaumann, dem Leiter des an der Mars-Misson beteiligten Berliner Wissenschaftsteams der DLR in Adlershof, tritt die unbemannte Sonde in 125 Kilometer Höhe in die Atmosphäre ein.Ein Hitzeschild bewahrt sie vor dem Verglühen.Dann gleitet sie an einem Fallschirm herab.Kurz über dem Boden werden Raketen gezündet, die den Fall stoppen und die Sonde zwölf Meter über dem Boden zum Stillstand bringen.Der Fallschirm gleitet zuerst zu Boden, damit er die Sonde nicht nach der Landung bedeckt.Dann erst läßt sich die Sonde auf den Boden fallen, purzelt ein wenig herum und bleibt liegen.Vor dem Aufprall werden Airbags rund um die Sonde aufgeblasen, damit sie nicht beschädigt wird.Die Sonde entfaltet sich.Wie ein Springteufel schießt plötzlich eine Kamera nach oben.Sie sucht die Sonne, damit die Kollektoren sich zur Energiegewinnung richtig ausrichten können.Ein kleines Fahrzeug, ein mikrowellengroßer sogenannter Rover mit dem Namen Sojourner, fährt von der Rampe und begibt sich auf die erste Erkundungstour.Alles wird vom Kontrollzentrum in Pasadena aus mitverfolgt und gesteuert. Erst wenn es auf dem Mars hell wird, werden die ersten Aufnahmen zur Erde gesendet, von der Nasa ausgewertet und mit einiger Verspätung zur Veröffentlichung freigegeben.Angesichts der bisherigen Öffentlichkeitsarbeit der Nasa sei die Prognose gewagt, daß sie ihre Fotos als große Sensation bezeichnen wird.Es wird sich zeigen, ob sie sich wesentlich von jenen Fotos unterscheiden, die schon vor vielen Jahren die Viking-Missionen erbracht haben. Die Pathfinder-Mission wird in jedem Fall im Fernsehen und im Internet einen breiten Raum einnehmen.Die große Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit hängt wohl vor allem damit zusammen, daß Nasa-Forscher vor einem Jahr groß verkündeten, die hätten Hinweise dafür gefunden, daß es auf dem Mars einmal Leben gegeben haben könnte.Die These stößt in der Wissenschaft zwar auf große Skepsis, weil sich die Hinweise auch anorganisch erklären lassen.Aber die Nasa hatte einen großen Werbecoup gelandet und die Phantasien der Menschen auf ihr Projekt gelenkt, für das noch viel Geld bewilligt werden muß. Die jetzige Mission wird kein Leben auf dem Mars nachweisen.Vor allem geht es darum, billigere und effektivere Technik zu erproben, in der Hoffnung, dadurch die ehrgeizigen Vorhaben der Zukunft besser verwirklichen zu können.Glaubt man den Phantasien der Nasa-Planer, dann werden spätestens im Jahre 2010 die ersten Menschen ihren Fuß auf den Roten Planeten setzen und dort mit dem Aufbau einer neuen Zivilisation beginnen."Unser Fernziel ist die Besiedlung des Planeten", sagte kürzlich Nasa-Vordenker Jesco von Puttkamer.Wenn dereinst die ersten Menschen ihren Fuß darauf setzten, so lautet ein anderes Zitat von ihm, das an dieser Stelle schon einmal wiedergegeben wurde, dann löse das "ein Gefühl der Schatzsuche und des Neugebinns aus, wie es Kolumbus 1492 gehabt haben muß". Ein bißchen Größenwahn kann wahrscheinlich nichts schaden, wenn es darum geht, Geld für eine große Sache lockerzumachen.Offenbar hat sich die US-Regierung bisher von den fiebrigen Träumen beeindrucken lassen und es sieht ganz so aus, als ob sich die Europäer ebenfalls anstecken lassen.Bisher sind die Europäer nur in Teilbereichen an dem großen Marsprojekt der Nasa beteiligt.Aber die Europäer wollen im Jahre 2003 selbst eine Sonde zum Mars schicken, den sogenannten "Mars Express".Er soll die Forschungen der Amerikaner ergänzen, die jetzt alle zwei Jahre ihre Sonden hochschicken wollen, um die Landung des Menschen vorzubereiten.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar