Inzest-Fall in Amstetten : War Josef F. als Triebtäter vorbestraft?

Ein schrecklicher Verdacht setzt die Behörden im Inzest-Fall von Amstetten unter Druck: Laut Zeitungsberichten ist der Familienvater Josef F. bereits wegen eines Sexualverbrechens vorbestraft gewesen.

Bertram Küster

AmstettenDie österreichischen Behörden haben ein Versagen ihrerseits im Inzest-Skandal ausgeschlossen. Die Ämter hätten E., die im Jahr 1984 von ihrem Vater in ein Kellerverlies gesperrt worden war, seinerzeit intensiv gesucht, sagte der Amstettener Bezirkshauptmann Hans-Heinz Lenze im Bayerischen Rundfunk. "Man hat zu dem damaligen Zeitpunkt alle Möglichkeiten ausgenutzt, diese junge Frau zu finden", sagte Lenze.

Aber was ist mit dem Täter? Hat er eine Vorgeschichte, die das Vorgehen der Polizei und der Behörden in Frage stellen könnte? Wie die Wiener "Presse" berichtet, könnte Josef F. bereits wegen eines Sexualdelikts vorbestraft sein. Das jedenfalls behauptete ein ehemaliger Arbeitgeber des früheren Elektrotechnikers.

Vorstrafe ist offenbar getilgt

Danach soll F. in den 60er Jahren versucht haben, eine Frau in Linz zu vergewaltigen. Der inzwischen verstorbene Personalchef hatte F. trotz der Vorstrafe 1969 eingestellt. Die Schwägerin des Chefs warnte nach eigenen Angaben damals ihre Kinder vor dem Mann, berichtet das Blatt. F. entwickelte sich in den folgenden Jahren aber zu einem der Leistungsträger des Unternehmens. Auch die Londoner "Times" verfolgt diese Spur. "Alle wussten, dass er wegen eines Sexualdelikts im Gefängnis war", zitiert die Zeitung eine Sprecherin der Firma.

Die Vorstrafe von F. ist inzwischen offenbar aus den behördlichen Unterlagen getilgt. Wenn es diese Information gab - warum wurde sie nicht in die Ermittlungen einbezogen, als E. vor ihrer Gefangenschaft zweimal aus dem Elternhaus davonlief? Auch als sie schließlich ganz verschwand, war die mögliche Vorstrafe von F. für Polizei und Behörden offenbar kein Thema.

Josef F. hat seit seiner Festnahme am Samstag ein umfangreiches Geständnis abgelegt. Er muss mit Anklagen wegen Vergewaltigung und schwerer Freiheitsberaubung rechnen. Ihm droht eine Höchststrafe von 25 Jahren. Ein österreichischer Haftrichter ordnete am Dienstag Untersuchungshaft für F. an.

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