Inzest-Fall von Amstetten : Muss Josef Fritzl nicht ins Gefängnis?

Im Inzest-Skandal von Amstetten hat sich der Verteidiger des Täters zu Wort gemeldet. Er forderte für seinen Mandanten Josef Fritzl statt lebenslanger Haft die Einweisung in eine geschlossene psychiatrische Einrichtung.

Wien/Berlin"Ich glaube, mein Mandant gehört nicht ins Gefängnis, sondern in eine geschlossene Psychiatrie", sagte Rudolf Mayer der "Bild am Sonntag". Zudem warnte er davor, seinen Mandanten zu verteufeln. E. Fritzl, die von dem 73-jährigen Verdächtigen 24 Jahre lang in einem Keller eingesperrt worden war, entlastete nach Informationen des "Spiegel" derweil ihre Mutter. Diese habe nichts gewusst. LKA-Chef Franz Polzer sagte, die Polizei habe mittlerweile ein fast vollständiges Bild des Verbrechens.

Anwalt: "Ich vertrete kein Monster"

Seiner Einschätzung nach sei Josef Fritzl "psychisch krank und damit unzurechnungsfähig", sagte der Wiener Anwalt Mayer der "BamS". Sollte ein vom Gericht bestellter Gutachter die Persönlichkeit des Täters anders einschätzen, werde er erwägen, ein eigenes Gutachten in Auftrag zu geben. Mayer besuchte seinen Mandanten dem Bericht zufolge bisher zweimal in der Untersuchungshaft. Der Anwalt betonte, dass Fritzl den Inzest mit seiner Tochter E. zugegeben und außerdem gestanden habe, sie eingesperrt zu haben. "Gegen den Vorwurf 'Mord durch Unterlassung' jedoch werden wir uns wehren." Fritzl hatte mit seiner Tochter insgesamt sieben Kinder gezeugt, von denen eins kurz nach der Geburt in dem Kellerverlies gestorben sein soll. Die Leiche des Babys verbrannte Fritzl nach eigenen Angaben.

Mayer mahnte einen fairen Prozess für Josef Fritzl an. "Denn ich vertrete kein Monster, sondern einen Menschen. Auch wenn es für viele nicht nachvollziehbar ist", sagte der Jurist. Er selbst habe bereits Drohbriefe erhalten.
Die Ermittlungen in dem Inzest-Fall sind laut Franz Polzer, weit fortgeschritten. "Unser Puzzle ist nahezu fertig", sagte er der österreichischen Zeitung "Kurier". Hinweise auf einen Komplizen von Josef Fritzl gebe es nicht. Über den Tatverdächtigen sagte Polzer, dieser habe wie jeder Mensch auch gute Seiten. So habe er "selbst das Verlies mit sehr viel Liebe zum Detail" eingerichtet. Andererseits sei Josef Fritzl aber ein "Tyrann" und ein "Getriebener seiner sexuellen Energie" gewesen. Polzer bestätigte nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA Medienberichte, wonach die heute 42-jährige E. Fritzl in ihrem Kellerverlies monatelang angeleint worden war.
E. Fritzl sagte nach "Spiegel-Informationen" aus, sie sei während ihrer Gefangenschaft ausschließlich von ihrem Vater versorgt worden. Ihre Mutter habe nichts gewusst. Das Kellerverlies bestand dem Bericht zufolge in den ersten neun Jahren aus einem einzigen Raum. Erst 1993 habe ihr Vater einen weiteren Raum eingerichtet. Davor wurden offenbar auch die bis dahin im Keller geborenen drei Kinder Zeugen der immer wiederkehrenden Vergewaltigungen.

Verbrechen nicht "spezifisch österreichisch"

Bundeskanzler Alfred Gusenbauer wandte sich in der "Bild"-Zeitung gegen Tendenzen zur Verallgemeinerung. "Es gibt keinen Fall Amstetten, keinen Fall Österreich, sondern ein grausliches Gewaltverbrechen", sagte der SPÖ-Chef dem Blatt. Sein Land wehre sich dagegen, dass von "einigen ausländischen Medien" versucht werde, aus "diesem entsetzlichen Verbrechen etwas 'spezifisch Österreichisches' zu konstruieren".

Die Stadt Amstetten startete unterdessen eine Initiative zur Verarbeitung des Inzest-Skandals. Auf Transparenten an verschiedenen Standorten könnten Bürger "ihre oft sehr beklemmenden Gefühle in Form von Worten, Zeichnungen, Unterschriften und so weiter zum Ausdruck bringen", gab Bürgermeister Herbert Katzengruber an. Am Mittwoch sollen die Spruchbänder unter dem Motto "Wir gestalten Zuversicht" auf dem Hauptplatz entrollt werden. (th/AFP)

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