Iran : Kanzlermaschine für Ahmadinedschad - im Bett von Merkel

Während der Westen das Embargo gegen Iran verschärft, könnte Teherans Herrscher bald in Merkels ehemaligem Airbus fliegen.

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Der hier abgebildete A310 hat als deutsche Regierungsmaschine ausgedient. Kanzlerin Merkel fliegt jetzt größer und moderner. Foto:
Der hier abgebildete A310 hat als deutsche Regierungsmaschine ausgedient. Kanzlerin Merkel fliegt jetzt größer und moderner.

Gerade hat Angela Merkel noch stärkere Sanktionen gegen den Iran gefordert. Jetzt kann es sein, dass Teherans Staatschef Mahmud Ahmadinedschad bald mit ihrem bisherigen Regierungsjet in die Luft gehen und sogar in ihrem ehemaligen Bett schlafen wird. Der Airbus A310 ist – samt Schlafzimmer und Duschbad der Bundeskanzlerin – über einen Zwischenhändler ausgerechnet bei einer iranischen Fluggesellschaft gelandet.

Besonders brisant: Das Schwesterflugzeug mit dem militärischen Kennzeichen 10+21 steht noch bis 2013 bei der Flugbereitschaft der Luftwaffe im Einsatz und gleicht dem jetzt im Iran gelandeten Jet wie ein eineiiger Zwilling. Die Kanzlerin war damit gerade noch auf Staatsbesuch in der Mongolei, weil dort die Landebahn für ihren neuen, moderneren Airbus A340 zu kurz ist. Beide Flugzeuge waren 1989 als erste westliche Jets an die DDR-Fluggesellschaft Interflug geliefert, 1991 von der Bundeswehr übernommen und zu komfortablen Regierungsjets umgebaut worden. Dazu gehört das VIP-Abteil vorne rechts mit Schlafkabine (2 Betten) und Bad mit WC und Duschkabine.

Die 10 + 22, die einst den Namen Theodor Heuss trug, ist im Zuge der fast abgeschlossenen Erneuerung der Regierungsflotte zum 1. Juli ausgemustert worden. Schon am 4. und 5. Mai hatten Interessenten den Kanzlerjet in Köln/Bonn besichtigen können. Der Jet wurde einschließlich der VIP-Ausstattung gegen das höchste Gebot verkauft, erzählt der Geschäftsführer der Treuhandgesellschaft Vebeg, die nicht mehr benötigtes Bundeseigentum von überschüssiger Soldatenunterwäsche bis zum Düsenflugzeug vermarktet.

Mahmud Ahmadinedschad Foto: AFP
Mahmud AhmadinedschadFoto: AFP

Der Airbus ging laut Schade für 3,125 Millionen Euro an eine osteuropäische Investorengruppe mit Firmensitz in Gibraltar. Mit der Überweisung des Kaufpreises sei die Sache für die Vebeg erledigt gewesen. Was weiter mit dem Flugzeug geschieht, sei nicht von Interesse gewesen.

Da es überall auf der Welt „Spotter“ gibt – das sind Luftfahrtfans, die Flugzeuge beobachten und fotografieren – lässt sich der weitere Weg der 10 + 22 gut verfolgen. Am 27. Juli wurde der Airbus von Köln/Bonn nach Kiew überführt. Militärische Kennzeichen, Bundesflagge und der Schriftzug „Bundesrepublik Deutschland“ waren entfernt worden, doch der schwarz-rot-goldene Streifen auf dem weißen Rumpf war geblieben. Am letzten

Das Bett der Kanzlerin. Die Regierungsmaschine wurde mit unveränderter Ausstattung verkauft. Foto: During
Das Bett der Kanzlerin. Die Regierungsmaschine wurde mit unveränderter Ausstattung verkauft.Foto: During

Donnerstag nun, so liest man auf Spotter-Seiten, wurde der A310 mit der werkseigenen Seriennummer 499 von Kiew-Borispol nach Teheran geflogen. Inzwischen trägt er das iranische Kennzeichen EP-VIP und gehört, wie auch auf einer iranischen Spotter-Website zu lesen ist, der dortigen privaten Fluggesellschaft Mahan Air. Man habe darüber keine Informationen, sagte Vebeg-Chef Schade. „Es wird aber wohl so sein.“ Beim Hersteller Airbus war über den Verkauf des Kanzlerjets in den Iran noch nichts bekannt.

Mahan Air war am Montag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Da die Gesellschaft einen Airbus mit der aufwendigen Ausstattung für einen Regierungschef gekauft hat, ist es wahrscheinlich, dass der Jet in Iran entsprechend verwendet wird.

In den USA ist Mahan Air im Oktober auf die schwarze Liste gesetzt worden. Die USA werfen der Airline vor, heimlich Mitglieder, Waffen und Geldbeträge einer Spezialeinheit der iranischen Revolutionsgarden transportiert zu haben, die man hinter den aufgeflogenen Anschlagsplänen gegen den saudischen Botschafter vermutet. Mahan Air hat die Vorwürfe zurückgewiesen und betont, man gehöre nicht zu Einrichtungen der Regierung, des Militärs oder der politischen Parteien.

Wenn alle sicherheitsrelevanten Ausrüstungsteile wie die speziellen Kommunikationseinrichtungen ausgebaut wurden, fiel der Verkauf des Airbus nach Angaben des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle nicht unter die gegen den Iran verhängten Exportbeschränkungen. Dennoch scheiterte 2002 der Verkauf neuer Airbusse an die Iran Air am Veto der USA, da die Maschinen auch dort gefertigte Teile enthalten. Das US-Embargo gilt nicht für Gebrauchtflugzeuge, die, wie der ehemalige Kanzler-Jet, älter als sieben Jahre sind.

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