Irina Lazareanu : Exzentrik nach Maß

Kate Moss entdeckte sie, Karl Lagerfeld verehrt sie, und mit Pete Doherty hat das Model Irina Lazareanu die Musik entdeckt. Wenn sie mit Sean Lennon musiziert, hört Yoko Ono ihnen dabei gerne zu.

Yoko Rückerl

Ein Rätsel, wie Irina Lazareanu es schafft, über den Laufsteg zu rasen, ohne über ihre dünnen Beine zu stolpern: Ein Haarvorhang hängt über den Augen, eigentlich dürfte sie gar nichts sehen. Doch genau so soll es sein, dieser Pony ist ihr Markenzeichen. Genau wie ihr wild zusammengewürfelter Kleidungsstil, der sich „Vintage-Look“ nennt und den so viele Mädchen auf der ganzen Welt zu kopieren versuchen.

Das Topmodel Irina Lazareanu ist derzeit nicht zu übersehen: an Häuserwänden plakatiert, in Magazinen porträtiert. Bald soll man sie auch hören können, „Some Place Along The Way“ wird das Folkmusikalbum heißen. Irina singt darauf mit Sean. Sean ist der Sohn von John Lennon. Yoko Ono sitzt bei Studioaufnahmen gerne dabei. Lazareanu nennt sie eine sehr gute Freundin. Angeblich soll das 25-jährige Model auch schon schwanger gewesen sein vom Beatle-Sohn, Zwillinge. Eigentlich ist Irina aber mit Pete Doherty verlobt. Er ist der Sänger der Punkrockband Babyshambles und Exfreund eines anderen Topmodels, Kate Moss. Irina Lazareanu müsste schwindelig sein, so viel wird gerade gewirbelt um sie herum.

Die dürre Rumänin mit dem vielen, vollen Haar gilt als Mädchen der Stunde, ein sogenanntes „It-Girl“. 76 Mal lief sie in der vergangenen Modesaison über die Laufstege dieser Welt, das ist ein Rekord. Sie ist so „It“, dass ihr Freunde ein T-Shirt mit dem Aufdruck „That’s it“ schenkten. Lazareanu wird auch „Fashion-Tornado“ genannt und begrüßt Modezar Karl Lagerfeld mit Bussi. Bei seiner Chanel-Show Anfang Dezember in London ließ er sie und Lennon ihre Musik vorstellen. Lagerfeld beschreibt Lazareanus Aussehen als eine Mischung aus der Mode-Grande-Dame Coco Chanel und der französischen Dichterin Anna de Noailles. Andere nennen das Model den „Eva-Padberg-Typ auf Heroin“.

Ihre Statur, die Maße 80-61-88 und der rotzige Blick erinnern an den Mitte der neunziger Jahre angesagten „Heroin-Look“. Kate Moss wurde die Ikone dieser Mode, das britische Topmodel ist auch die Entdeckerin von Lazareanu. Die beiden Frauen lernten sich kennen, als Moss mit Pete Doherty liiert und Lazareanu Drummerin in seiner Band Babyshambles war. Sie vermisse die wilden Tourzeiten im Shamble Mobil, sagt Lazareanu. Musik sei ihre große Liebe.

Moss hob Lazareanu auf den Titel einer Ausgabe der französischen Vogue, bei der sie Gastautorin war. Modefotograf Steven Meisel fotografierte Lazareanu für das Cover der italienischen Vogue. Im März dieses Jahres durfte der „Fashion-Tornado“ dann Kate Moss’ Klamotten aus der „Top Shop“ Linie vorführen. Irina hat Kate dann irgendwann Pete ausgespannt, so schrieben es britische Boulevardblätter. Die Verlobung von „Irina und Pete“ sei aber mittlerweile auch schon wieder aufgelöst worden, wird spekuliert. Die Beteiligten verlieren kein Wort darüber. Über Doherty sagt Lazareanu nur, dass er ihr beigebracht habe, wie man ein Gedicht in Musik verwandle, und dass sie sich kennen, seitdem sie 15 und er 18 war.

Lazareanu war vier Jahre alt, als sie mit ihren Eltern aus Rumänien in ein Flüchtlingslager nach Salzburg kam. Sie wuchs in Montreal in Kanada auf. Wenn sie Englisch spricht, hört man den französischen und rumänischen Akzent. Mit dreizehn bekommt sie ein Stipendium an der Royal Academy Ballettschule und zieht dafür nach London. Bei einem Unfall bricht sie sich ihr Knie – die Ballettkarriere ist beendet. Auf dem Laufsteg ist Lazareanu mit ihren 1,75 Metern heute meistens die Kleinste. Die Designer stört das nicht; sie läuft für Michael Kors, Anna Sui, Alexander McQueen, Marc Jacobs, Missoni, Pucci, Burberry, Fendi und andere. „Alle lieben Irina“, sagt Lagerfeld.

Denn Lazareanu ist ein Lichtblick inmitten der Langeweile der über und über ästhetisierten Modewelt. Ihre Nase ist zu groß, ihr Mund winzig; wenn sie lacht, sieht sie aus wie ein kleiner Haifisch. Der Blick bleibt hängen an diesem Gesicht. Lazareanu steht für Rock ’n’ Roll. Sie bedient die Sehnsucht nach Individualität und Exzentrik. Neu ist dieses Rebellenprinzip in der Modeszene nicht, es funktioniert seit Jahren, Kate Moss ist das prominenteste Beispiel. Im Gegensatz zu ihrer Entdeckerin kann man Lazareanu aber kaum verwandeln: Die Eigenwilligkeit ihres Gesichtes begrenzt sich selbst. Bei den berühmten Haute-Couture-Modeschauen von Dior werden Models dramatisch stark geschminkt, Gesichter überzeichnet. Lazareanu erkannte man sofort. Irina bleibt immer Irina.

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