Iris Berben : Viele kleine Schritte

"Frauen bewegen die Welt" – Iris Berben hat ein Buch über 24 mutige Projekte geschrieben.

Elisabeth Binder
Berben
Iris Berben -Foto: dpa

Die grausamsten Kriegsschauplätze liegen oft abseits von Fernsehkameras und Schlagzeilen. In Bangladesch zum Beispiel. Wenn da ein 14-jähriger Junge böse ist auf ein Mädchen, weil es ihn nicht heiraten will, lauert er ihr vielleicht auf und kippt ihr Säure ins Gesicht. Strafe muss er nicht unbedingt befürchten. Das Mädchen aber ist für immer entstellt. Als Monira Rahman vor zwölf Jahren zum ersten Mal mit diesem Schrecken bewusst konfrontiert wurde, staunte sie über die Kraft der von Säureattentaten betroffenen Frauen. Das Thema ließ sie nicht mehr los. Sie baute ein Behandlungs- und ein Rehabilitationszentrum und schuf Netzwerke für gezielte Lobbyarbeit, um zu erreichen, dass die Täter bestraft werden und die Opfer nicht mehr wie Aussätzige behandelt werden. Statt drei Prozent der Täter wie früher landen inzwischen bis zu zwölf Prozent vor Gericht, der freie Verkauf von Säure wurde verboten. Monira Rahmans Geschichte ist nachzulesen in dem Buch „Frauen bewegen die Welt“, das die Schauspielerin Iris Berben zusammen mit der Autorin Nicole Maibaum veröffentlicht hat. Darin werden 24 Frauen vorgestellt, die sich für andere einsetzen und die Welt zu einem besseren Ort machen.

Auch Rakieta Poyga aus Burkina Faso gehört dazu. Sie war schon 38, als sie ihr erstes Kind bekam. Die Geburt war hochkompliziert. Erst da erfuhr Rakieta Poyga, dass sie als junges Mädchen beschnitten worden war. Sie hatte keine Erinnerung mehr daran. Obwohl die Beschneidung in Burkina Faso seit 1996 offiziell verboten ist, halten, wie in anderen afrikanischen Ländern auch, viele Familien daran fest, einfach, weil es eine alte Tradition ist. Sie geben ihre Mädchen für die Prozedur einer Beschneiderin mit. Weltweit werden etwa zwei Millionen Mädchen auf diese Weise verstümmelt, viele sterben an dem Eingriff. Rakieta Poyga, die von 1984 bis 1994 in Berlin studiert hat, erkannte rasch, dass viele Eltern nicht einmal wissen, was sie ihren Kindern antun und startete mit dem Verein Bangr-Nooma eine Aufklärungskampagne zur Abschaffung der weiblichen Genitalverstümmelung. Gezielt wurden Würdenträger angesprochen und überzeugt, Lehrerinnen, Hebammen, Polizisten geschult. Nach über zehn Jahren konnte Poyga feststellen, dass in den 36 Dörfern ihres Umkreises keine Verstümmelungen mehr stattfinden, dass 22 000 Mädchen davor bewahrt werden konnten.

Bei der Lektüre des Buches wird klar, wie viel Mut es kostet, die vielen kleinen Schritte zu gehen, die zu einer friedlicheren Welt führen, wie viele Widerstände und Gefahren zu überwinden sind. Dafür steht auch Hebe de Bonafini, die während der argentinischen Militärdiktatur zu den ersten Müttern der Plaza de Mayo gehörte und ihr Leben dem Kampf dafür gewidmet hat, dass die Mörder ihrer Söhne bestraft werden.

Gezeigt werden die unterschiedlichsten Einsatzfelder, auf denen Frauen zeigen, was in ihnen steckt.

Eines haben diese 24 Frauen gemeinsam, sie sehen, wo sie gebraucht werden, scheuen die schwierigen Anfänge nicht, neue Wege zu gehen und knicken auch vor Anfeindungen und Drohungen nicht ein. Ein hoffnungsfrohes Buch.

Iris Berben, Nicole Maibaum, „Frauen bewegen die Welt“, Droemer, 19,95 Euro.

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