Ist Liebe eine Sache der Bildung? : Partnerschaft auf Augenhöhe

Die Mehrzahl der Paare in Deutschland hat eins gemeinsam: ihren Bildungsabschluss. Nach wie vor dient der soziale Status als Orientierung bei der Partnerwahl. Partnervermittlungen machen kräftig Umsatz mit der "Liebe mit Niveau".

Vera Weidenbach
Hochheiraten ist schwieriger geworden. Bei der Partnerwahl bleiben Akademiker lieber unter sich.
Hochheiraten ist schwieriger geworden. Bei der Partnerwahl bleiben Akademiker lieber unter sich.Foto: dpa

Einfamilienhausidyll in Berlin- Lichtenrade. In einem Neubau mit Garten wohnen die Schöllers. Die Rechtsanwältin und der Lehrer an einer Berufsschule wollen nur mit einem geänderten Namen offen sprechen. Sie ist blond und geizt selten mit einem freundlichen Lächeln. Er wirkt mit Sakko und Brille sehr seriös. Die dreijährige Tochter tobt durch das Wohnzimmer, während die Kleinere noch in der Babyschaukel liegt. Es ist das übliche Familienglück.
Bei den Schöllers haben beide Partner den gleichen Bildungsabschluss. Das gilt für 61 Prozent aller Paare in Deutschland, wie der letzte Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes ergab. Sich hochheiraten ist schwieriger geworden.
Langzeitstudien zeigen, dass vor allem in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts immer weniger Menschen über Statusgrenzen hinweg geheiratet haben. Der Chef heiratet heute nicht mehr die Sekretärin, sondern die Personalchefin. „Das liegt vor allem am Aufstieg der Frauen, sowohl in den Bildungsinstitutionen, als auch im Berufsleben“, sagt Heike Wirth vom Leibniz-Institut für Sozialforschung. „Man trifft sich heute eher auf gleicher Ebene“, stellt die Soziologin fest. Da ein Gleichstand der Geschlechter in Sachen Bildung und Qualifikation mittlerweile erreicht ist, rechnet die Soziologin damit, dass auch die Zahl der bildungsgleichen Partnerschaften konstant bleibt.

Heiraten spielt für die soziale Mobilität also eine untergeordnete Rolle.
„Besonders bei den Männern hat sich das Selbstverständnis gewandelt. Sie konzentrieren sich heute bei der Partnerwahl durchaus auf Frauen auf Augenhöhe“, sagt die Diplompsychologin Ellen Swart. Unverändert bleibe: „Status und Aussehen sind auch heute noch wichtige Parameter.“ Liebe kann oberflächlich sein.

Auf der Suche nach dem perfekten Partner


Bernd Schöller rechnete sich bei seiner Petra erst keine großen Chancen aus. „Eigentlich wollte ich immer einen Arzt, großgewachsen, mit dunklen Haaren“, sagt Petra Schöller im Wohnzimmer. Jeder habe seine Idealvorstellung vom perfekten Partner. Mit Perfektion werben auch viele Partnervermittlungen, die sich auf Akademiker, oder „Singles mit Niveau“ spezialisiert haben. Der Online- Markt boomt. Allein auf „Elite Partner“, der größten Plattform für Akademiker im Internet, sind laut Unternehmen täglich 56 000 Mitglieder in Deutschland aktiv. Auch „Parship“, die insgesamt größte Partnervermittlung im Internet wirbt mit einer Akademiker-Quote: 52 Prozent der Mitglieder haben einen höheren Bildungsabschluss.

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Teddybären, Ballons, Blumen und Parfüms sind die traditionellen Geschenke am Tag der Liebenden. Hier zu sehen in Mexiko City.Weitere Bilder anzeigen
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14.02.2013 16:04Teddybären, Ballons, Blumen und Parfüms sind die traditionellen Geschenke am Tag der Liebenden. Hier zu sehen in Mexiko City.

Petra und Bernd waren bei ihrer Suche etwas altmodischer. Sie haben sich über die Offline-Agentur „Partner for You“ kennengelernt. Das kostet zwar mehr, dafür hat der Kunde dann aber einen persönlichen Ansprechpartner, der ihm die verschiedenen Singles vorschlägt. Der Internet-Fragebogen kann nur Daten abfragen: Bildungsstand, Beruf, Familiensituation. Den Rest erledigt ein Algorithmus. Er filtert nach der Devise „Gleich und Gleich gesellt sich gern“. Rund 31 Prozent der Partnerschaften kommen heute in Deutschland im Internet zustande.

„Es kommt darauf an, was man aus seinem Leben macht"


Wenn man unter sich bleibt, halten die Partnerschaften im Schnitt länger. „Grundsätzlich weiß man aus der Psychologie, dass das Bestärken in den eigenen Werten und Meinungen auch das eigene Wohlbefinden verstärkt“,

sagt Wirth. „Von den meisten Paaren wird das als Glücksfaktor wahrgenommen“, erklärt die Expertin.
Wirth mahnt, die bildungsgleichen Beziehungen nicht übermäßig zu bewerten. „Studien zu ungleichen Paaren kommen mir heute ein bisschen zu kurz“, sagt die Soziologin. Das könne zu einem wachsenden Unverständnis zwischen den Anliegen verschiedener sozialer Milieus führen.

Für Petra Schöller ist klar, dass nicht nur die Qualifikation beim Partner stimmen muss. „Es kommt darauf an, was ein Mensch aus seinem Leben macht“, sagt sie. Erfolg lasse sich auf verschiedene Weisen messen. Algorithmen kennen den Unterschied nicht. Perfektion ist relativ. Die Schöllers teilen trotz ebenbürtiger Bildungsabschlüsse nicht alle Interessen. Petra ist eine leidenschaftliche Tänzerin, während das Tanzen eines der Dinge ist, die Bernd überhaupt nicht mag. Er interessiert sich für das aktuelle Zeitgeschehen, während sie auf die abendliche Nachrichtensendung ganz verzichten könnte.

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