Italien : Adriano Celentano sorgt für Großeinsatz der Carabinieri

Der König des italienischen Schlagers, fühlt sich in seiner Villa nicht mehr sicher – und löst damit eine Sicherheitsdebatte in Italien aus.

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Adriano Celentano bei einer Aufführung 2012. Der Sänger ist derzeit wieder in den Hitparaden vertreten.
Adriano Celentano bei einer Aufführung 2012. Der Sänger ist derzeit wieder in den Hitparaden vertreten.Foto: Claudio Onorati/dpa

Über mangelnde Aufmerksamkeit kann sich Adriano Celentano derzeit nicht beklagen. Sein neues, mit der Musikerkollegin Mina aufgenommenes Album hat in den vergangenen Monaten die nationale Hitparade gestürmt, das Lied „Amami“ („Liebe mich“) läuft in allen Radios und Supermärkten. Man kommt sich fast vor wie in den guten alten Zeiten der sechziger und siebziger Jahre, als der in Mailand aufgewachsene Süditaliener mit unsterblichen Hits wie „Azzurro“, „24 000 Baci“ und „Il Ragazzo della Via Gluck“ die italienischen Massen verzaubert und das leichte Lebensgefühl des Landes in die ganze Welt getragen hatte.

"Vermummte Typen" vor Celentanos Anwesen

Die Aufmerksamkeit der ganzen Nation hat der 79-Jährige in diesen Tagen aber auch durch einen Eintrag in seinem Blog auf sich gezogen. „Ich muss einige sehr schwerwiegende Fakten bekanntmachen, die sich in meinem Domizil von Galbiate ereignen“, schrieb Celentano. Seit Tagen würden mehrere unbekannte und vermummte Typen immer wieder in sein Grundstück eindringen, während einer draußen Schmiere stehe. „Es handelt sich um eine Serie von besonders bedrohlichen Aktionen, die mich vermuten lassen, dass sie es auf mich und meine Frau abgesehen haben.“

Die Carabinieri des Nachbardorfs Olginate, wo Celentano Anzeige erstattete, ließen sich nicht lange bitten: Laut den lokalen Medien machten sich fast alle der acht Beamten des Postens auf, um den prominenten Bürger vor den unerwünschten Gästen zu schützen. Celentanos Haus und das Grundstück sind riesig – die Villa des Sängers erinnert von Ferne an die Neverland-Ranch des verstorbenen Michael Jackson in Kalifornien. Und die ruhige und landschaftlich schöne Gegend in der Provinz Lecco, wo sich viele Reiche aus dem nahegelegenen Mailand niedergelassen haben, ist schon länger ein beliebtes Revier für Einbrecher.

Alle anderen Einwohner sind jetzt schutzlos, befürchtet der Bürgermeister

Das Großaufgebot für den „Molleggiato“ („der Federnde“, wie Celentano wegen seines federnden Gangs in Italien genannt wird) ist in der Nachbarschaft vielen sauer aufgestoßen. Am deutlichsten wurde der Bürgermeister des Nachbardorfs Pescate, Dante De Capitani: „Jetzt sind alle Carabinieri bei Celentano, um seine Villa zu bewachen, während der ganze Rest des Territoriums mit seinen 25 000 Einwohnern schutzlos ist“, betonte De Capitani. Es müssten die Rechte aller Bürger geschützt werden: „Alle müssen sich sicher fühlen können“, sagte der Bürgermeister. Es sei nicht richtig, zwischen berühmten und anderen Einwohnern zu unterscheiden.

Kritisch wird die Sonderbehandlung Celentanos auch in den Leserbriefspalten und Internet-Foren kommentiert. Wenn er Angst um sich und seine Frau habe, dann soll er doch einen privaten Wachdienst anstellen, lautete ein häufiger Kommentar. Das Geld dafür habe er ja. Solidarisch mit Celentano zeigte sich dagegen der ehemalige Verteidigungsminister Ignazio La Russa: Statt sich über die begründete Furcht des „Molleggiato“ lustig zu machen, sollte sich die Gesellschaft eher Gedanken darüber machen, ob es nicht ein lohnendes politisches Projekt wäre, die Bekämpfung der Kriminalität wieder zur Priorität zu erheben und die Polizeiapparate nach unzähligen Sparrunden wieder aufzustocken.

Vom Berlusconi-Kritiker zum Lega-Nord-Fan

Celentano, der in seiner Karriere nicht nur gesungen, sondern auch geschauspielert hat und als Entertainer aufgetreten ist, lässt in Italien eben niemanden kalt. Er ist seit fünfzig Jahren die gefühlte Nummer 1 in seinem Land. Das liegt auch daran, dass er sich wie kaum ein anderer Künstler in Italien immer wieder politisch engagierte. Er pöbelte gegen Jäger und legte sich mit Immobilienspekulanten an, er sang gegen den Krieg und prangerte die Armut an. Noch heute unvergessen ist seine TV-Sendung „RockPolitik“, mit der er den damaligen Regierungschef Silvio Berlusconi zur Weißglut brachte. Der Schlagersänger war damals die einzige kritische Stimme, die im Staatsfernsehen überhaupt zu Wort kam: Sich mit Celentano anzulegen, wäre selbst für den „Cavaliere“ ein Risiko gewesen. In den vergangenen Jahren hatte Celentano lange Zeit mit der Protestbewegung von Beppe Grillo sympathisiert. Doch auch diese Liebe ist wieder abgekühlt. Unlängst erklärte Celentano, dass er sich überlege, bei den nächsten Wahlen die fremdenfeindliche Lega Nord zu wählen.

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