Italien : Berlusconi: Scheiden soll weh tun

Berlusconi will im Verfahren gegen seine Frau "sehr hart bleiben“ – Veronica Lario fordert mehr für die drei gemeinsamen Kinder

Paul Kreiner

Rom - Es könnte eine der teuersten Scheidungen der Welt werden. Silvio Berlusconi, 9,4 Milliarden schwer, hat seinem Anwalt die Richtung vorgegeben: „Wir werden sehr hart bleiben.“ Seinen Milliarden nach kommt ihm kein Politiker der westlichen Welt gleich; reichster Italiener indes ist Berlusconi nicht mehr. In der Krise nimmt die Welt eher Zuflucht zu Süßigkeiten als zum Fernsehen; und so ist Nutella-Chef Michele Ferrero mit einem Vermögen von elf Milliarden Dollar an den 9,4 Milliarden des TV-Zaren Berlusconi vorbeigezogen. So jedenfalls rechnet es das US-Magazin „Forbes“ in seiner jährlichen Hitliste vor.

Wie auch immer: Wenn nach italienischem Recht die geschiedene Frau in der Lage sein muss, denselben Lebensstandard wie zu Ehezeiten fortzuführen, dann könnten auf Berlusconi einige Ausgaben zukommen. Arm ist er ja immer noch nicht. Erst im Januar hat er sich als Dividende aus seinem Fininvest-Konzern 169 Millionen Euro genehmigt; im Jahr 2007 hat er 23 Millionen Euro allein für die Pflege und ein paar „bauliche Verbesserungen“ seiner Villen ausgegeben – von Mailand über Sardinien bis auf die Bahamas. Berlusconi, der Sohn eines kleinen Mailänder Bankangestellten, hat sich seinen Reichtum selbst verschafft – wenn auch die Herkunft einiger Millionen bis heute dubios ist. Begonnen hat Berlusconi als Bauunternehmer mit dem Hochziehen großer Wohnviertel in Mailand; dann hat er sich aufs Privatfernsehen verlegt; heute kontrolliert er mit den drei Hauptkanälen seiner „Mediaset“ knapp die Hälfte des italienischen Fernsehmarkts.

„Fininvest“ – das ist Berlusconis Dach-Holding, in der neben Mediaset auch noch der große Mondadori-Verlag, der Versicherungskonzern Mediolanum sowie der Fußball-Erstligist AC Milan zusammengefasst sind. Der Wert von Fininvest wird zwischen sieben und zehn Milliarden Euro geschätzt. Berlusconi selbst hält daran bis heute 65 Prozent; seine fünf Kinder – zwei aus erster Ehe, drei aus der Verbindung mit Veronica Lario – teilen sich den Rest.

Ein Ungleichgewicht besteht allerdings darin, dass die beiden ältesten Kinder Berlusconis, Marina (42) und Piersilvio (40), bereits als aktive Unternehmer den Familienkonzern führen; die drei Kinder Veronica Larios – 20, 22 und 24 Jahre alt – waren dem „padrone“ dafür bisher zu jung. Italienische Zeitungen berichten, Lario störe sich bei ihrem Scheidungsantrag an dieser „Zurücksetzung“; zwischen den Kindern selbst und dem Vater gibt es aber offenbar keinerlei Verstimmung.

Den Zahlen nach steht auch Veronica Lario nicht schlecht da. Sie lebt in Gütertrennung von Berlusconi und hat die ihr während der gut 18-jährigen Ehe zugefallenen Immobilien – Mailand, London, New York, Sardinien – in einer Finanzgesellschaft zusammengefasst, deren Wert auf 20 bis 30 Millionen Euro geschätzt wird. Zusätzlich trägt sie den „Foglio“, eine bissige, rechtsintellektuelle Tageszeitung, die bei aller Loyalität auch eine kritische Distanz zu Berlusconi pflegt.

Dass es zwischen Lario und Berlusconi doch noch zu einer Versöhnung kommt, scheint fast ausgeschlossen. Berlusconi sagt: „Jetzt ist Schluss. Ich sehe keine Möglichkeiten mehr zum Weitermachen.“ Und Lario hat sich eine Kontaktaufnahme ausdrücklich verbeten.Paul Kreiner

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