Welt : Italien droht zu verdorren Regierung schickt mobile Aquädukte nach Süden

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Von Vincenzo Delle Donne

Viel Fantasie ist seitens der italienischen Regierungsstellen vonnöten, um die im Mezzogiorno seit Mai andauernde schwere Dürreperiode zu meistern. An Fantasie scheint es jedoch der Berlusconi-Regierung offenbar nicht zu fehlen: Sie verabschiedete deshalb einen Fünf-Punkte-Maßnahmenkatalog, mit dem das leidige Trinkwasserproblem gelöst werden soll. Einige Punkte geben jedoch zum Schmunzeln Anlass. Die Medien sprechen amüsiert vom „mobilen Aquädukt". Mit LKW-Tanks sollen so generalstabmäßig 500 Millionen Kubikmeter Trinkwasser in den Süden des Landes gekarrt werden, damit Menschen, Tiere und Landwirtschaft das überlebensnotwendige Trinkwasser erhalten. Diese „babylonische Tat“ sollen dabei Einheiten der Armee und des Zivilschutzes leisten. Zur Begründug des Maßnahmenprogramms sagte Landwirtschaftsminister Gianni Alemanno: „Wir wollen so intervenieren, um zu verhindern, dass die Menschen, die Wasser brauchen, nicht gezwungen sind, sich an den Trinkwasservertrieb des organisierten Verbrechens zu wenden.“ Der Minister spielte dabei insbesondere auf die Verhältnisse in Sizilien an, wo die Menschen vielerorts gezwungen sind, Trinkwasser von privaten „Trinkwasserverkäufern“ teuer zu kaufen. In Palermo protestierten viele Bürger und Bauern gegen diesen Zustand, der sich im Sommer jährlich wiederholt.

Vom akuten Trinkwassermangel besonders betroffen sind Sizilien, Apulien, Sardinien und die Basilikata. Als Gründe für den Notstand werden sowohl ein veraltetes defektes Leitungssystem angeführt, bei dem unterwegs nach Angaben von Umweltminister Altero zwischen 38 und 42 Prozent des gesamten Wasserbestandes versickern. Anderseits gab es in diesem Winter eine nie gekannte regenarme Zeit. Sie führte dazu, dass die Trinkwasserreservoirs nur zu 40 Prozent ihres Fassungsvermögens gefüllt sind.

Ob das leidige Trinkwasserproblem während der Sommermonate in Sardinien und in Sizilien in absehbarer Zeit gelöst werden wird, bleibt fraglich. Auch aufgrund des starken Touristenstroms hat man sich daran gewöhnt, dass das Quell nur für zwei drei Stunden am Tag aus dem Wasserhahn sprudelt.

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