Italien : Justiz verhört Hure wegen Berlusconi

Das Callgirl wurde von den italienischen Staatsanwälten von Palermo vernommen. Sie erzählte, dass sie insgesamt dreimal bei Silvio Berlusconi zu Besuch gewesen sei. Diesmal geht es auch um Machtmissbrauch.

Dominik Straub
Kommt Berlusconi in Bedrängnis? Die Staatsanwaltschaft hat seine Prostituierte verhört.
Kommt Berlusconi in Bedrängnis? Die Staatsanwaltschaft hat seine Prostituierte verhört.Foto: Reuters

Die neue Zeugin heißt Nadia Macri, ist 28-jährig und hat braune Haare, dunkle Augen und eine makellose Figur. Das Callgirl wurde von den Staatsanwälten von Palermo vernommen. Sie erzählte, dass sie insgesamt dreimal bei Silvio Berlusconi zu Besuch gewesen sei, zweimal in seiner Villa in Arcore und einmal in Sardinien. Bei zwei Partys habe sie Sex mit ihm gehabt, und beide Male habe sie 5000 Euro für ihre Dienstleistungen erhalten. Die Aussagen der Frau waren unter anderem im „Corriere della Sera“ nachzulesen. Sie sind reich an Details und vermitteln eine Vorstellung davon, was Berlusconis 17-jährige Bekannte „Ruby“ gemeint haben könnte, als sie berichtete, dass es bei den Festen des Cavaliere jeweils zu einem „Bunga-Bunga“ komme.

„In Arcore waren wichtige Leute: Sänger, Unternehmer, Advokaten, Notare“, erinnerte sich Nadia Macri. Doch die seien irgendwann alle wieder gegangen. „Am Schluss waren nur noch wir Mädchen, die sich mit dem ,presidente’ abwechselten. Er sagte jeweils: Die Nächste, bitte!“. Auch im Swimmingpool sei es zu Geschlechtsverkehr gekommen. Außerdem behauptet Macri, bei der Party in Sardinien seien den insgesamt 25 anwesenden Mädchen auch Marihuana-Joints angeboten worden – eingeflogen vom Privatjet Berlusconis. Während die „Noemi“-Affäre im Frühsommer 2009 für Berlusconi kaum Folgen hatte, läuft der Cavaliere beim neuen Skandal nun Gefahr, sein Amt als Ministerpräsident einzubüßen.

Das Problem sind weniger die Sexpartys und das mitunter zarte Alter der weiblichen Gäste – die Vorliebe des Premiers für junge Frauen und für Damen des horizontalen Gewerbes sind hinlänglich bekannt und haben ihm vor eineinhalb Jahren nicht geschadet. Doch beim neuen Skandal geht es auch um Machtmissbrauch. Berlusconi hatte persönlich im Polizeipräsidium von Mailand angerufen, um auf die Freilassung seiner wegen Diebstahlverdachts festgenommenen Bekannten „Ruby“ zu drängen.

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