Italien : Killer mit Hilfe des Internets identifiziert 

„Wir haben es schweren Herzens getan, aber es war unsere letzte Möglichkeit. Und es war ein Erfolg.“ 48 Stunden nach der weltweiten Veröffentlichung des schockierenden Killervideos aus Neapel hat ein „vertraulicher Hinweis“ zur Identifizierung des Mörders geführt, der vor fünf Monaten in Neapel einen Mann auf offener Straße erschossen hat.

Paul Kreiner

Rom - Es ist ein 30-Jähriger aus der camorra-beherrschten Nordstadt von Neapel; der Mann ist wegen Drogendelikten vorbestraft, war bisher allerdings keines Kapitalverbrechens verdächtig. Nachdem die Staatsanwaltschaft das Tatvideo im Internet veröffentlicht hatte – es zog in wenigen Stunden weltweite Kreise –, soll der Mörder aus Neapel verschwunden sein.

Der Polizei gestellt hat sich nach fünf Monaten jedoch jener 39-jährige Gemeindeangestellte, den die Ermittler aufgrund der Videobilder verdächtigen, dem Mörder als Wachposten vor der Bar gedient zu haben. Der Beschuldigte sagte, „Verwandte in Deutschland“ hätten ihn auf sein Erscheinen in der Aufnahme hingewiesen; er habe mit der Tat nichts zu tun.

Der Killer war im Mai vor einer Bar in der Stadtmitte von Neapel auf einen 53-jährigen Mann losgegangen und hatte ihn mit drei Schüssen aus nächster Nähe erschossen. Das Tatvideo – aufgenommen in seltener technischer Brillanz von den beiden Überwachungskameras der Bar – hatte auch Bestürzung deswegen hervorgerufen, weil Passanten ungerührt über die Leiche hinweggestiegen waren. Bei dem Opfer handelt es sich um den 53-jährigen Mariano Bacioterracino, einen früheren Bankräuber, der von der Camorra beschuldigt wird, 1976 einen örtlichen Mafia-Boss umgebracht zu haben.

Am Wochenende hat die Polizei ferner die Spitze des bedeutendsten Camorra-Clans aus dem Hinterland von Neapel verhaftet. Die Brüder Salvatore, Pasquale und Carmine Russo waren seit Jahren untergetaucht; Salvatore, der älteste, schon seit 1983. Auf den Steckbriefen des Innenministeriums wurde er zu den zehn gefährlichsten Verbrechern Italiens gerechnet. Paul Kreiner

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