Welt : Italo-Amerikaner hingerichtet: Urteil trotz weltweiter Proteste vollstreckt

Trotz internationaler Proteste ist der wegen Vergewaltigung und Ermordung einer 17-Jährigen zum Tode verurteilte Italo-Amerikaner Derek Barnabei in der Nacht zum Freitag im US-Staat Virginia mit einer Giftspritze hingerichtet worden. Der 33-Jährige bestritt bis zuletzt, die Tat begangenen zu haben. "Ich bin wirklich unschuldig. Eines Tages wird die Wahrheit ans Licht kommen", sagte er in einer letzten Erklärung. Eine Gruppe von Gegnern der Todesstrafe hielt vor dem Gefängnis in Greensville eine Mahnwache mit Kerzen. Auch in Rom, Mailand und anderen italienischen Städten gab es stille Proteste.

Der Papst und die Parlamentspräsidenten von Deutschland, Frankreich und Italien hatten an den Gouverneur Virginias appelliert, Barnabei nicht hinzurichten. Das Oberste Gericht der USA lehnte am Donnerstagmorgen einen Aufschub der Hinrichtung ab. In Palermo wurde Barnabei wie anderen Hingerichteten vor ihm die Ehrenbürgerschaft verliehen. Der Führer der Demokratischen Linken, Walter Veltroni, kritisierte scharf jene politischen Verantwortlichen, die jemanden töten ließen, "nur weil es ihnen Meinungsumfragen empfehlen".Viele Zeitungen in Italien erschienen mit Sonderausgaben über die Vollstreckung des Todesurteils.

Die Verteidigung versuchte bis zuletzt einen neuen DNS-Test durchzusetzen, um Barnabei zu entlasten. Außerdem wies sie darauf hin, dass Beweismaterial zeitweise verschwunden gewesen sei und somit die Rechte des Verurteilten verletzt worden seien. Die Fingernägel des Opfers waren vom 29. August bis zum 1. September verschwunden. Barnabei war der 68. Verurteilte, der in diesem Jahr in den USA hingerichtet wurde. Seit der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs im Jahr 1976, das Moratorium auf Hinrichtungen aufzuheben, wurden in den USA 666 Menschen hingerichtet. Die Staaten mit den meisten Hinrichtungen sind Texas und Virginia.

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