Jahrestag der Havarie der Costa Concordia : Ein Meer von Rost

Am Sonntag jährt sich die Havarie der Costa Concordia – es wird ein Tag der Reden und Ehrungen. Und irgendwo wird gearbeitet.

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Wie im Hollywood-Studio: Riesige Scheinwerferbatterien beleuchten Tag und Nacht die Bergungsarbeiten.
Wie im Hollywood-Studio: Riesige Scheinwerferbatterien beleuchten Tag und Nacht die Bergungsarbeiten.Foto: AFP

Zweiunddreißig Menschen sind bei der Havarie ihres „Traumschiffs“ ertrunken, unter ihnen zwölf Deutsche, und vor einer Woche wären ums Haar fünf weitere dazugekommen. Deutsche Touristen, auch sie auf Mittelmeerkreuzfahrt, hatten einen Zwischenstopp ihrer „Costa Magica“ genutzt, um auf eigene Faust eine Fototour zum Wrack der „Costa Concordia“ zu unternehmen. Auf die reguläre Fähre wollten sie nicht warten; sie glaubten, die 15 Kilometer übers offene Meer zwischen dem Festland und der Insel Giglio im gemieteten Schlauchboot auch so zu schaffen. Doch das Wetter schlug um; Seegang und Eiswind nahmen zu – und hätte am Abend nicht eine aufmerksame Küstenwache die Ausgekühlten, Durchnässten aufgelesen, wer weiß, wo die fünf heute wären.

Das Kreuzfahrt-Unglück vor der Toskana
Am Sonntag jährt sich die Harvarie der Costa Concordia zum ersten Mal, bei der an Bord des Kreuzfahrtriesen 32 Menschen getötet wurden. Erwartet werden die Angehörigen der Todesopfer und ein Teil der rund 3200 Überlebenden, vor allem Deutsche, Franzosen und einige Peruaner.Weitere Bilder anzeigen
1 von 86Foto: Reuters
12.01.2013 14:21Am Sonntag jährt sich die Harvarie der Costa Concordia zum ersten Mal, bei der an Bord des Kreuzfahrtriesen 32 Menschen getötet...

Es war am 13. Januar 2012. Es war – so genau halten es heute die Gerichtsakten fest – um 21.45 Uhr und sieben Sekunden. Zweieinhalb Stunden zuvor hatte die „Costa Concordia“ mit 3206 Touristen und 1023 Besatzungsmitgliedern in Civitavecchia ihre Mittelmeerrunde „Zitrusduft“ wieder aufgenommen. Doch da, mit einem gewaltigen Knall, flog den Passagieren das Abendessen von den Tischen. Ein mächtiger Ruck durchfuhr das Schiff; jäh bremste es ab, dann wurde alles stockdunkel. Die Passagiere sahen nicht den 140 Tonnen schweren Stein, den die „Costa Concordia“ in voller Fahrt von den messerscharfen Granitklippen der Insel Giglio abgerissen hatte; er hatte den Stahlrumpf auf 53 Metern Länge und bis zu sieben Metern breit aufgeschlitzt wie eine Sardinendose.

Innerhalb einer Viertelstunde, so sagen die Gerichtsgutachter heute, wussten die auf der Kommandobrücke, dass das Schiff nicht mehr zu retten war. Trotzdem zögerten sie: „Wir haben nur einen Blackout! Wir kriegen das selber hin! Im Höchstfall brauchen wir einen Schlepper, der uns wieder flottmacht“, beschwichtigte Kapitän Francesco Schettino die Hafenbehörden, während er in zahlreichen Telefonaten mit seiner Reederei eine Sprachregelung suchte, wie man ohne Aufsehen aus dem Schlamassel herauskäme.

Dabei wusste Schettino – „Madonna, was hab’ ich angestellt!“ – von der ersten Sekunde an, was passiert war: Um seinem von Giglio stammenden Chefkellner eine Freude zu machen, hatte der heute 52-jährige Kapitän das Schiff allzu nahe an der Insel vorbeifahren lassen, obwohl er weder die Erlaubnis noch die genauen Seekarten dafür besaß. Wie nahe sie tatsächlich an den Klippen waren, das fiel nicht einmal den anderen Offizieren auf der Brücke auf. „Keiner äußerte Bedenken“, schreiben die Gerichtsgutachter. Und darüber, dass der indonesische Steuermann die Kommandos des Kapitäns weder auf Italienisch noch auf Englisch richtig verstand, scherzten sie.

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