Welt : James Salter: Erinnerungsstrahlen

Moritz Schuller

Es ist der Bericht seines Leben, doch am Ende weiß man nicht einmal, wieviele Kinder er hat. Seine Frau erscheint im Namensverzeichnis nur zwei Mal - dass sie längst nicht mehr seine Frau ist, erfährt man nicht. James Salter wirkt in seiner Autobiografie wie sein eigener Romanheld: verschlossen und verführerisch. Lakonisch zeichnet er die Oberfläche des Lebens nach, spielt mit den Fakten, deutet Affären, die es wohl gab, nur an und hält sich gar nicht erst an Chronologien. Salters Leben erscheint so als Monolith: Jugend in New York, Militärakademie und Jagd auf sowjetische MiGs im Koreakrieg. Ein Man of Action, der die Armee verlässt, um zu schreiben. Jahre in Frankreich, Freundschaften mit Irwin Shaw und Robert Phelps. Salter schreibt Drehbücher, trifft die Hollywoodstars seiner Zeit. Sein erster Roman, Salter erwähnt ihn kaum, ist ein Misserfolg. Doch auch das verblasst. Lieber beschreibt er die, die er bewundert hat, New York, seinem Geburtsort und Lebensmittelpunkt, seine Vorbilder in der Armee und die bewunderten Schriftstellerkollegen. Ein wunderschöner, karger Bericht des noch immer unterschätzten Autors, der spät angefangen hat mit dem eigenen Leben und noch lange nicht genug hat: "Großes Verlangen, weiterzuleben", lauten die letzten Worte des Buches.

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