Welt : Japan muss den Walfang bremsen

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Sorrent/Berlin Japan hat bei der Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) erneut eine Niederlage erlitten. Die IWC lehnte den japanischen Wunsch nach einer sechsfach höheren Jagdquote für Zwergwale in der Antarktis am Mittwoch ab. Im süditalienischen Sorrent stimmten 19 Nationen für den Vorstoß, 30 Länder dagegen, darunter auch Deutschland, berichtete der Leiter der deutschen Delegation, Peter Bradhering.

Japan hatte gefordert, im antarktischen Schutzgebiet in den kommenden fünf Jahren jährlich 2914 Zwergwale (Minkewale) erlegen zu dürfen. Trotz des Moratoriums für die kommerzielle Jagd töten japanische Walfänger dort bisher bereits jährlich 440 Zwergwale – mit der Begründung, das diene der Forschung. Japan argumentiert, es müssten in Zukunft mehr Wale erlegt werden, um zu beweisen, dass die Meeressäuger für den Rückgang der Fischbestände verantwortlich seien. Die deutsche Meeresbiologin Kristin Kaschner legte jedoch einen Forschungsbericht vor, der keine nennenswerten Überschneidungen zwischen der Fischerei und den Fischgründen der Wale gefunden hat. Wale ernährten sich hauptsächlich von Plankton, Tiefseetintenfischen und kleinen Krebsen. Dennoch kann die IWC Japan nach den Regeln des Walfangmoratoriums die Jagd zu wissenschaftlichen Zwecken nicht grundsätzlich verbieten.

Das Stimmenverhältnis zwischen Walschutz- und Walfängernationen hat sich seit dem Jahr 2000 dramatisch zugunsten der Jäger gedreht. Derzeit herrscht beinahe ein Patt. Mit dem Ergebnis, dass weder Japan Jagdquoten noch die Walschutznationen große Schutzgebiete für die Meeressäuger im Südatlantik und im Südpazifik haben durchsetzen können. Für beide Entscheidungen wären Drei-Viertel-Mehrheiten notwendig. Umso überraschender ist es, dass in Sorrent zumindest eine Resolution zum Schutz der letzten 100 westpazifischen Grauwale Erfolg hatte. Die Resolution, in der der Ölkonzern Shell aufgefordert wird, den Bau einer Ölbohrinsel und einer Unterwasser-Pipeline vor der russischen Insel Sachalin zu unterlassen, wurde sogar einstimmig beschlossen. Außerdem wird sich der wissenschaftliche Beirat der IWC künftig mit dem Problem des Beifangs befassen. Denn vor allem Delfine und andere Kleinwale verenden häufig in den Netzen der Fischer. „Das ist ein ganz neues Thema für die IWC“, sagte Joanne Benn, Sprecherin der Umweltorganisation WWF, dem Tagesspiegel. dpa/deh

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