Welt : Jeder Huster ein Betrüger?

Bernhard Gross

Bis zur letzten, der Millionenfrage schaffte es Alexandra Greinwald bei der RTL-Quizshow "Wer wird Millionär?" am Sonnabend. Dann war Schluss. Die Antwort fiel ihr einfach nicht ein. Mit 500 000 Euro verließ die 39-jährige Münchnerin das Rampenlicht. Am Montag stand sie wieder mittendrin, auf der Titelseite der "Bild"-Zeitung.

Die Zeitung berichtete, Zuschauer hätten der Redaktion von verdächtigen Hustgeräuschen aus dem Publikum berichtet. Waren diese Geräusche abgesprochene Zeichen, die der Kandidatin den Weg zu den richtigen Antworten wiesen? Liegt hier Betrug vor?

Der Sender RTL hält nichts von den Vorwürfen. Man habe zwar, nachdem man von den Berichten gehört hatte, ein Hustenprotokoll der Sendung angefertigt, sagte RTL-Sprecher Frank Rendez. Daraus ergebe sich aber nur: Ja, es es sei gehustet worden. Nein, es bestehe keine Verbindung zwischen den Hustgeräuschen und den Antworten. Auch habe die Kandidatin nicht einfach nur A, B oder C gesagt, sondern ihre Antworten auch begründen können. Weitere Ermittlungen werde es nicht geben.

Grundsätzlich hält es Rendez für unmöglich, dass Kandidaten Komplizen ins Publikum einschleusen können. Das Publikum stehe Monate im Voraus fest; die Kandidaten erst zwei Wochen vorher. Auch würden die Zuschauer auf mögliche Verbindungen zu den Kandidaten überprüft. Während der Aufzeichnung werde genau darauf geachtet, was im Publikum vor sich gehe.

Auch bei anderen Sender glaubt man nicht, dass bei Quizshows betrogen werden könne. Andreas Gerling, Redakteur bei der ARD-Sendung "Das Quiz mit Jörg Pilawa", sagte, es gebe "definitiv keine Betrugsmöglichkeiten". Ähnlich wie bei der Millionärsshow bei RTL könnten die Kandidaten nicht beeinflussen, wer im Publikum sitze. Bei der Aufzeichnung beobachte die Aufnahmeleitung Publikum und Kandidaten sehr genau, und vor der Ausstrahlung werde eine Show noch mehrmals angesehen. Bisher sei da nie etwas aufgefallen.

Eva Wahler, Redakteurin der ZDF-Show "Risiko", sagte, weder das Publikum noch die Kandidaten hätten Raum zum Schummeln. Bei "Risiko" würden offene Fragen, also ohne Wahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Antworten, über ein spezielles Wissensgebiet der Kandidaten gestellt. Durch Husten und ähnliche Zeichen könne man da keine Hilfe geben.

Im Herbst 2001 hatte es ähnliche Vorwürfe gegen einen Kandidaten gegeben, der eine Millionen Pfund (1,6 Millionen Euro) bei der britischen Ausgabe von "Wer wird Millionär?" gewonnen hatte. Auch in diesem Fall sollen Hustgeräusche dem Kandidaten geholfen haben. Der Mann, seine Frau und eine weitere Person wurden festgenommen. Eine Sprecherin der britischen Produktionsfirma sagte, die Polizei ermittle weiter.

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