JEDER KENNT JEDEN : Die kahle Wüste ist kein gutes Versteck

Es ist das Dreiländereck Ägypten, Sudan, Libyen, in dem sich das Drama abspielt. Dort gibt es kaum Grenzbefestigungen. Der Norden Sudans ist riesengroß – und wirkt auf den ersten Blick leer. Die meisten touristisch interessanten Orte wie die Pyramiden von Meroe am Nil oder der Tempel von Naga nördlich der Hauptstadt Khartum dürfen ohne besondere Genehmigung der Behörden besucht werden – sie liegen nicht direkt an der Grenze. Die Gegend um das vierte Nilkatarakt galt wegen Unruhen zwischendurch als unsicher und wurde bei Touren gemieden. Ganz im Norden prägt Geröllwüste das Bild, es gibt kaum Straßen. Hauptverbindungsort zwischen Ägypten und Sudan ist Wadi Halfa. Wer auf der Hauptroute von Khartum nach Ägypten unterwegs ist, muss an jedem Kontrollpunkt – davon gibt es eine Reihe – eine Kopie seines Passes abgeben. Wer die Behörden umgehen will, versucht es mit Bestechung. Größere Orte finden sich dort oben nicht. Doch was wie weites Niemandsland wirkt, ist keineswegs leer. „Die Fläche ist zwar riesenhaft, aber besser kontrollierbar als Khartum oder Omdurman“, sagt eine Kennerin des Landes. Einerseits könne man die Wüste nicht einfach so durchqueren, sondern nur auf bestimmten Routen. Deswegen sei das Gebiet überschaubar. Die Menschen, die dort wohnten, wüssten außerdem genau, wer durchkomme. Es hielten sich dort immer dieselben Leute auf oder sie kennten die, die in der Region etwas zu tun hätten. „Dass da jemand einfach unbeobachtet durch die Wüste brettert, ist nicht möglich. Da kann man sich nicht einfach verstecken.“ Außerdem sei „überall Geheimpolizei und Militär“. Wenn sie wollten, könnten sie die Region kontrollieren, so die Einschätzung. Etwas anderes sei es, „wenn nicht gewünscht wird, dass jemand hinschaut“. mue

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