• "Jeder leistet das, was er am besten kann" - Interview mit Matthias Ludwig von den Johannitern über den Kriseneinsatz in der Türkei

Welt : "Jeder leistet das, was er am besten kann" - Interview mit Matthias Ludwig von den Johannitern über den Kriseneinsatz in der Türkei

Herr Ludwig[wie können Sie helfen?]

Matthias Ludwig (49) ist Sonderbeauftragter des Bundesvorstandes der Johanniter und leitet den Einsatzstab "Nothilfe" für die Türkei. Ludwig hat auch den Hilfseinsatz der Johanniter im Kosovo geleitet. Mit ihm sprach Armin Lehmann.

Herr Ludwig, wie können Sie helfen?

Wir sind mit einer Hundestaffel, deren Begleiter und einem Arzt vor Ort. Die Leute sind bereits in der Nacht zum Mittwoch angekommen. Gestern haben die Hunde zwei Überlebende und leider auch einen Toten gefunden. Ansonsten haben wir bereits rund fünf Tonnen an Hilfsgütern verschickt, darunter bisher 35 Zelte, die über Istanbul in unser Einsatzgebiet transportiert wurden.

Wo sind Ihre Leute im Einsatz?

In Sakarya, einer kleinen Stadt mit rund 170 000 Einwohnern rund 150 Kilometer östlich von Istanbul. 90 Prozent der Stadt ist zerstört, die Leute sind obdachlos, es wurden allein dort bis zum gestrigen Mittag 400 Tote gefunden.

Was wird dort am meisten benötigt?

In erster Linie Zelte und Decken, aber auch Wasserkanister und Stromaggregate.

Gibt es Probleme bei der Koordination der Hilfe und der Hilfsorganisationen?

Nein, glücklicherweise läuft dies sehr gut. Wir werden vom Krisenstab der türkischen Regierung in Ankara koordiniert. Das läuft gut, es gibt kein Nebeneinander. Beispielsweise arbeiten wir zusammen mit dem Arbeiter-Samariter-Bund und einer ungarischen Organisation, die ebenfalls Hundestaffeln in das Krisengebiet geschickt haben.

Wer koordiniert solche Auslandseinsätze eigentlich in Deutschland?

Hier läuft alles beim Auswärtigen Amt zusammen. Auch hier kann ich überhaupt nicht klagen, das ging alles sehr unbürokratisch und professionell. Das Auswärtige Amt hat uns auch spontan mit 300 000 Mark unterstützt.

Gibt es eigentlich eine Arbeitsteilung zwischen den einzelnen Organisationen?

Natürlich ist es so, dass jeder erst einmal das anbietet, was er am besten kann. Aber tatsächlich hat sich durch verschiedene Auslandseinsätze eine Arbeitsteilung herausgebildet. Wir beispielsweise spezialisieren uns auf die medizinische Betreuung, Unterkunftsfragen oder auch Trinkwasseraufbereitung. Wir sind auch sehr für Vernetzung. So haben wir im Kosovo beispielsweise aus Deutschland auch die Arbeit der Johanniter aus Finnland und Ungarn koordiniert.

Sie waren ja sehr schnell vor Ort. Wie muss man sich den Ablauf eines solchen logistischen Einsatzes vorstellen?

Alle Leute, die im Einsatz sind, arbeiten ehrenamtlich. In diesem Fall konnten wir unsere Hundestaffel in Niedersachsen am schnellsten abrufen. Da werden dann die Leute angerufen, es findet so eine Art Telefonkette statt. Die treffen sich dann an einem zentralen Ort, wo wir ihnen bereits die notwendigen Informationen zur Verfügung stellen.

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