Welt : Jeffrey Archer: Lord trifft Biggs im Gefängnis

Lord Jeffrey Archer (61), Bestsellerautor und einst Vizevorsitzender der britischen Konservativen, ist zwei Tage nach Antritt einer Haftstrafe kurzzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden, um an der Beerdigung seiner Mutter teilzunehmen. Lord Archer ("Kain und Abel"), der wegen Meineids und Behinderung der Justiz zu vier Jahren Haft verurteilt worden war, betrat am Sonnabend ein Krematorium in Madingley bei Cambridge auf Weisung der Polizei durch einen Hintereingang. Sein Wunsch, den Haupteingang zu benutzen, war abgelehnt worden. Archers Mutter Lola Hayne (87) war während des Prozesses, aber noch vor der Verurteilung ihres prominenten Sohnes gestorben.

Lord Archer durfte bei der 20 Minuten dauernden Trauerfeier einen Anzug tragen, mit dem er auch am Donnerstag vor Gericht zu seiner Verurteilung erschienen war. Er wurde nicht gefesselt und schüttelte einigen Polizisten, die die Schaulustigen zurückhielten, die Hand. Lord Archer war aus dem Hochsicherheitsgefängnis Bellmarsh bei London nach Madingley gebracht worden.

Archer war verurteilt worden, weil er 1987 in einem Verleumdungsverfahren einen Freund angestiftet hatte, ihm ein falsches Alibi zu geben. Es ging um ein Treffen mit einer Straßenprostituierten und einer langjährigen Affäre mit seiner Assistentin. In Großbritannien mehrten sich am Sonnabend die Stimmen, die forderten, Kriminellen den Titel Lord zu entziehen. Es müsse verhindert werden, dass Leute wie Archer nach der Entlassung im Oberhaus wieder an der Gesetzgebung mitwirken könnten. Der Labour-Abgeordnete Andrew Mackinlay kündigte am Sonnabend einen entsprechenden Gesetzesentwurf an.

Gleich am ersten Tag im Gefängnis hat der britische Bestsellerautor Jeffrey Archer eine prominente Bekanntschaft gemacht: den legendären Posträuber Ronnie Biggs. Wie die britische Zeitung "Daily Telegraph" am Samstag berichtete, wurde Archer zu einer Routineuntersuchung in den Krankentrakt des Hochsicherheitsgefängnisses Belmarsh gebracht. Dort sah er Biggs, gab ihm die Hand und sprach kurz mit ihm. Der Posträuber, der bereits mehrere Schlaganfälle hatte, wird im Gefängniskrankenhaus behandelt. Gut 38 Jahre nach seinem legendären Überfall auf einen Postzug war Biggs Anfang Mai freiwillig aus Brasilien zurückgekehrt und dort verhaftet worden.

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