Jerusalem : Die Klagemauer bröckelt

Sie ist die heiligste Stätte des Judentums und ein Muss für jeden Touristen: die Klagemauer in der Jerusalemer Altstadt. Jetzt sind Teile des Bauwerks renovierungsbedürftig. Doch die Arbeit an der Klagemauer könnte sich als kompliziert erweisen - und einen Streit unter Gelehrten auslösen.

Beth O'Connell

JerusalemRund sechs Millionen Besucher pilgern jedes Jahr zur Klagemauer in Jerusalem, die meisten zum Beten, die anderen zum Fotografieren. In diesem Sommer wird ein Teil der Mauer jedoch möglicherweise unter einem Sicherheitsnetz verschwinden. Denn mittlerweile beginnt das Jahrtausende alte Mauerwerk zu bröckeln - kurioserweise sind ausgerechnet die zuletzt eingebauten Steine betroffen.

Die Original-Klagemauer stammt aus dem Jahr 37 vor Christus. Damals beschloss König Herodes, den Zweiten Tempel in Jerusalem - das geistige Zentrum des damaligen Judentums - zu erweitern und ließ vier Stützwände um das Gebäude errichten. Im Jahr 70 nach Christus zerstörten die Römer den Tempel. Allein die westliche Wand blieb erhalten: die heutige Klagemauer.

"Die Steine aus der Zeit des Zweiten Tempels, die 2000 Jahre alt sind, sind in gutem Zustand", sagt der zuständige Rabbiner Schmuel Rabinowitsch. "Probleme gibt es mit den Steinen, die unter dem  Britischen Mandat zwischen 1917 und 1948 eingebaut wurden. Diese beginnen zu bröckeln und müssen ersetzt werden."

Komplizierte Renovierungsarbeiten

Wie das geschehen soll, daran könnte sich allerdings ein Streit der Gelehrten entzünden. Denn nach einer der zahlreichen Auslegungen der jüdischen Gebote ist es verboten, Steine aus der Klagemauer zu entfernen, selbst wenn sie nur ersetzt oder überarbeitet werden sollen. Zudem hatte der sephardische Großrabbi Schlomo Amar früher einmal verfügt, dass Reparaturen an der Mauer nur im Tageslicht ausgeführt werden dürften und ausschließlich von Arbeitern, die ein rituelles Reinigungsbad hinter sich hätten.

Wenn es nach Rabinowitsch ginge, sollten die Arbeiten so schnell wie möglich starten. Die israelische Altertumsbehörde erwägt bislang lediglich, ein Sicherheitsnetz zu spannen. Die Gläubigen dürften auch weiterhin an der Mauer beten. "Wir prüfen den Zustand mehrmals im Jahr", sagt Raanan Kislev. Die Mauer sei sicher: "Bisher sind nur ein paar ganz kleine Steine heruntergefallen." (AFP)

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