Welt : Jetzt ermittelt der Papst

Kinderpornoskandal: Vatikan entsendet Visitator

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Wien Papst Johannes Paul II. hat sich in den Kinderporno-Skandal am österreichischen Priesterseminar von St. Pölten eingeschaltet. Am Dienstag beauftragte das Oberhaupt der katholischen Kirche den Bischof von Feldkirch, Klaus Küng, in dem Fall zu ermitteln, wie der Vatikan mitteilte. Küng wurde als „apostolischer Visitator“ für die Diözese und das Seminar in der Nähe von Wien eingesetzt, um den Vorwürfen auf den Grund zu gehen.

Die außergewöhnliche Maßnahme gilt als deutliche Misstrauenserklärung an die Amtsführung des erzkonservativen St. Pöltener Bischofs Kurt Krenn, der bis zuletzt versucht hatte, die Affäre herunterzuspielen. Der Visitator Küng gilt als Mitglied des konservativen Ordens „Opus Dei“. Bereits im November waren auf mehreren Computern des Seminars rund 40000 Pornobilder, darunter auch zahlreiche pädophile Darstellungen, entdeckt worden. Ins Rollen kam die Affäre Anfang Juli durch einen Artikel des österreichischen Magazins „Profil“, in dem auch Fotos von sexuellen Kontakten zwischen Seminarmitgliedern und Lehrenden veröffentlicht wurden. Der Direktor des Priesterseminars und sein Vize reichten inzwischen ihren Rücktritt ein.

Angesichts der Tragweite des Skandals waren zuletzt die Rufe nach einem Eingreifen des Papstes immer lauter geworden. Der Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, der Wiener Erzbischof Kardinal Schönborn, sprach von einer „außergewöhnlichen und seltenen Maßnahme“ des Vatikan. Der Visitator habe die Aufgabe, „darauf zu schauen, dass die Ordnung der Weltkirche in der Diözese und besonders auch im Seminar respektiert und wieder eingeführt wird“. Schönborn wies darauf hin, dass Küng mit seiner Bestellung zum Apostolischen Visitator mit Sondervollmachten ausgestattet sei. Damit erlösche auch das Mandat der von Bischof Krenn ernannten Untersuchungskommission.

Nach „Profil"-Informationen hatte Krenn versucht, die Ermittlungen der Justiz zu verhindern.

Noch am Sonntag warf er den Medien vor, die Affäre aufzubauschen und ihn „abschießen“ zu wollen. Laut einer am Montag von dem Magazin veröffentlichten Umfrage befürworten 72 Prozent der Österreicher eine Abberufung des seit 1991 amtierenden Bischofs.

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