Welt : Jetzt kommt Raiku I

-

Dietmar Zeindl wirkt ganz unaufgeregt: Es sei eine „Begegnung anderer Art“ gewesen, sagte der Geschäftsführer einer Firma in Bad Tölz, der seit knapp 17 Jahren mit seiner Frau in dem beliebten Urlaubsort Kochel am See lebt. Dietmar Zeindl war gerade auf dem Rückweg vom Spaziergang mit seinen zwei Hunden, als ihm am Freitagabend der seit Wochen gesuchte Braunbär „Bruno“ über den Weg lief.

„Es gibt da so eine Runde durchs Wohngebiet, in der Nähe des Waldes, die ich abends mit den Hunden immer gehe“, sagte der 61-Jährige gegenüber dpa. Er habe sich gegen 23 Uhr auf den Rückweg gemacht, als sich auf der anderen Straßenseite etwas Großes bewegte. „Da kam der Bär den Gehweg entlang, wie ein Spaziergänger. Ich habe ihn nur gesehen, weil er gerade unter der Straßenlaterne vorbei lief.“

Glücklicherweise, sagte Zeindl, habe er kurz vorher noch die Straßenseite gewechselt, sonst hätte er dem Zwei-Meter-Riesen direkt gegenübergestanden. Gefährlich habe der Bär nicht gewirkt, sagte Zeindl. „Er machte einen ganz gemütlichen Eindruck, so, als wäre er auf einem Abendspaziergang“, erzählte er. Der Bär habe ihn nicht angesehen, sondern habe in Richtung Wiese und Wald geblickt. „Meine größte Sorge war, dass einer der Hunde anschlägt“, sagte Zeindl, der sich langsam von der Straße hinter eine Hausecke zurückgezogen habe. Seine Hunde seien nicht angeleint und fünf Meter von „Bruno“ entfernt gewesen. Sie hätten sich aber seltsamerweise völlig ruhig verhalten. Als er noch überlegt habe, ob er auf der Rückseite um den Häuserblock herum nach Hause gehen oder auf der Straßenseite nach dem Bären Ausschau halten sollte, sei plötzlich ein dunkler Schatten an ihm vorbeigeschossen. „In diesem Moment hatte ich richtig Angst“, sagte Zeindl. Der Bär sei dann in Richtung Wald gelaufen. Als er die Geschichte später seiner Frau erzählte, „haben wir beide lachen müssen“, berichtete Zeindl.

Nach dieser Begegnung mitten in Kochel am See dringt das Bayerns Umweltministerium jetzt auf eine Lösung bis kommenden Sonntag. „Dieser Bär muss schnell aus der freien Wildbahn genommen werden, weil er ein potenzielles Risiko ist“, sagte der Leiter der Naturschutzabteilung, Christoph Himighofen. Die österreichische WWF-Sprecherin Susanne Grof warnte: „Wenn er denkt, dass man ihm den Weg abschneidet, wird der Bär angreifen.“ Bisher sei oberste Priorität gewesen, ihn zu fangen. „Aber wir müssen jetzt möglichst schnell zu einer Lösung kommen, das heißt den Bären aus der Natur nehmen.“

Der bayerische Bärenanwalt Manfred Wölfl sagte, Brunos Flucht zeige, „dass er wirklich Respekt vor Menschen hat“. Dem Braunbär ist nun der angeblich beste Suchhund Finnlands auf der Spur. Wie Wölfl am Sonntag in Kochel am See sagte, verstärkt Raiku I ab sofort zusammen mit seinem finnischen Hundeführer den Suchtrupp, der den Bären aufspüren soll. Nach Auskunft des Expertenteams gebe es in ganz Finnland keinen für die Bärensuche besser geeigneten Hund. Raiku I und sein Hundeführer stießen am Sonntag zum Einsatztrupp. dpa/ddp

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben