Welt : Jetzt wird’s delikat

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München (mos/dpa). Er ist zwar viel unterwegs, aber trotzdem wissen wir immer recht genau, wo Boris Becker sich gerade aufhält: in New York war er mit der Rapperin Sabrina Setlur, samstags sitzt er bei Bayern München auf der Tribüne, und in Stuttgart hat er vor wenigen Tagen Carl-Uwe Steeb bei einem Schaukampf besiegt.

Aus bester Quelle wird nun bekannt, dass er letzte Woche in England war. „Am vergangenen Wochenende in London war unsere letzte Chance, unsere Beziehung zu retten. Wir haben uns sehr bemüht …", berichtet nämlich Beckers ehemalige Freundin Patrice Farameh. Ehemalig, weil die Bemühungen in der englischen Hauptstadt vergeblich waren: Boris Becker ist wieder solo. Als Grund für die überraschende Trennung gab Farameh an: „Leider ist unsere Synergie verloren gegangen." Beide hätten aber eine „wunderschöne Zeit miteinander" gehabt. „Es war ein unvergessliches, leidenschaftliches Erlebnis, denn er ist ein faszinierender, intensiver Mann mit Charakter", sagte Patrice Farameh im Rückblick.

Doch eine neue, ähnlich intensive Beziehung ist bereits in Sicht: Mit viel Synergie widmet sich die Münchner Staatsanwaltschaft dem ehemaligen Tennis-Star. Die Münchner wollen wegen Steuerhinterziehung Anklage gegen Becker erheben. Der Leiter der Behörde, Manfred Wick, bestätigte, dass es bei der Klage gegen den früheren Tennis-Star „ausschließlich um Steuerdelikte“ gehe. Der 34-Jährige soll sich wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 10,4 Millionen Mark (5,3 Millionen Euro) verantworten. In früheren Einschätzungen war sogar von 33 Millionen Mark die Rede. Eine Bestätigung für diese Zahlen gibt es bei den Behörden unter Hinweis auf das Steuergeheimnis nicht.

So sehr interessierte sich die Staatsanwaltschaft für die Aufenthaltsorte Beckers, dass sie für die Jahre 1991 bis 1993 ein so genanntes Bewegunsraster erstellen ließ. Dabei soll herausgekommen sein, dass Becker Monaco nur als Scheinwohnsitz genutzt habe, in Wirklichkeit aber bei seiner Schwester in München auf dem Dachboden wohnte. Nach dem Auszug der Schwester soll er sogar allein in der Wohnung gelebt haben. Beckers Anwälte haben die Vorwürfe des Steuervergehens bisher bestritten.

Sollte es zum Prozess kommen, könnte dem Multimillionär Becker im Fall einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe drohen. Steuerhinterziehung gilt unter Juristen nicht als Kavaliersdelikt und wird von den Gerichten unnachsichtig verfolgt. Das zeigen die Fälle von Peter Graf, dem Vater von Steffi Graf, und des Konzertveranstalters Marcel Avram. Wegen massiver Steuerhinterziehung wurde Peter Graf zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt, der Münchner Musikmanager Avram zu dreieinhalb Jahren Freiheitsstrafe. Beide wurden wegen günstiger Sozialprognosen später auf Bewährung entlassen.

Eine feste Familienanbindung wäre einer günstigen Sozialprognose zuträglich, und obwohl seine Beziehung nach 151 intensiven und leidenschaftlichen Tagen zu Ende ging, ist Becker in Wirklichkeit alles andere als familiär ungebunden. Ein Freund von Becker macht nämlich das große Vernatwortungsbewusstein von Becker für das Aus verantwortlich: ,„Patrice hatte einen hohen Anspruch an diese Beziehung. Aber Boris ist ein Mann, der auch seiner Verantwortung als Vater gerecht werden will, das ließ sich nicht vereinbaren." Er habe sich gegen die 28-jährige Internet-Spezialistin und für seine Kinder entschieden.

„Sportlich einst Weltklasse, geschäftlich nur Kreisklasse“, hieß es einst über Becker, nun wird sich zeigen, wie gut er juristisch returnieren kann. Ein Steuerprozess ist für die Angeklagten meist auch deshalb unangenehm, weil darin die Einkünfte offen zur Sprache kommen. Genau eine solche Offenlegung hatte Becker, dessen Vermögen Anfang 2001 angeblich bei rund 200 Millionen Mark lag, bereits im Unterhaltsverfahren nach der Trennung von seiner Frau Barbara Becker in Miami verhindern wollen. Deshalb einigte er sich damals außergerichtlich über Unterhalt und Sorgerecht für die Söhne Noah Gabriel und Elias Balthasar.

Seit über einem Jahr ist der Steuerfall Becker bekannt, immer wieder hatte vor allem die „Süddeutsche Zeitung“ über den Steuerfall Becker berichtet. Am Ende hatten die Fahnder der Staatsanwaltschaft einen mehr als 300 Seiten dicken Bericht übergeben. Die Entscheidung der Behörde, ob die Fakten für eine Anklage ausreichen oder ob die Vorwürfe sich nicht halten lassen würden, ist jetzt gefallen. Auch durch Nachzahlung der Steuern könnte der 34-jährige Becker sich nun nicht vor einem Prozess schützen. „Mit einer Nachzahlung kann man sich auf keinen Fall freikaufen“, betont ein Experte der Münchner Steuerbehörden. Es könne jedoch zu einer geringeren Strafe kommen.

Becker und Farameh hatten sich Anfang Februar in einem Restaurant in München kennen gelernt, auch das ist lokalisiert. Möglicherweise wird er sich in nächster Zukunft an einem anderen Ort aufhalten müssen: in der Zelle eines Gefängnisses. Die ist zwar kleiner als ein Dachboden, aber immerhin größer als eine Besenkammer.

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