JFK-Flughafen : Nach der Landung abgedreht

Weil eine Frau im Flugzeug zu früh aufstand, drehte ein Steward auf dem JFK-Airport in New York durch und nutze die Notrutsche zum Aussteigen und fuhr mit seinem Auto weg.

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Flugbegleiter Steven Slater war auf dem Flug von Pittsburgh nach New York in einer Maschine des Billiganbieters Jet Blue unterwegs. Wie üblich hatte er die Reisenden nach der Landung auf dem Flughafen John F. Kennedy International aufgefordert, solange angeschnallt sitzen zu bleiben, bis die Motoren abgestellt und die Anschnallzeichen erloschen sind. Eine Frau stand dennoch auf, um ihr Gepäck aus den Fächern über den Sitzen zu holen. Als Slater sie aufforderte, sich wieder hinzusetzen, fiel ein Koffer von oben herunter, dem Steward auf den Kopf. Dann fing die Frau an, den Steward zu beschimpfen. Das war zu viel für den 39-Jährigen. Er rannte ans Heck der Maschine, griff zum Mikrofon und beleidigte alle Passagiere, besonders die Frau, wie die „New York Times“ berichtete.

Dann fuhr der völlig entnervte Mann eine Notrutsche aus, packte noch ganz schnell eine Bierdose, rutschte hinunter, lief mit Bierdose bis zum Personalparkplatz und fuhr mit seinem Auto weg. Kurz nach Eintreffen in seiner Wohnung in Queens klingelte die Polizei. Da er durch das Öffnen der Notrutsche möglicherweise Menschen auf dem Rollfeld gefährdete, droht ihm ein Verfahren. Im Internet wurde Slater bejubelt, wie die Agentur AFP berichtet. Auf seiner Facebook-Seite meldeten sich reihenweise Leute, um ihm zu seinem spektakulären Abgang zu gratulieren und gründeten eine Aktionsgruppe „Free Steven Slater“.

„Manche Kollegen reagieren in einer solchen Situation sehr restriktiv, andere sagen sich, soll der Passagier doch auf die Nase fallen“, sagte ein Sprecher der deutschen Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo. Fluggäste, die ihre Plätze verlassen oder das Handy einschalten, bevor es erlaubt ist, gehören zu den häufigsten Problemen. Flugbegleiter werden deshalb unter anderem nach ihrer Stressresistenz ausgewählt und speziell in Deeskalation geschult. Bei einigen großen Airlines gehören sogar Rollenspiele zur regelmäßigen Ausbildung des Bordpersonals. Schauspieler oder Kollegen spielen dort die renitenten Passagiere. So weit es geht, versucht man außerdem, Probleme am Boden zu lassen. Reisende, die schon stark betrunken am Schalter erscheinen, wird oft das Boarding verwehrt.

Aus Sicht des Ufo-Sprechers hat sich die Zahl der Zwischenfälle an Bord nur analog zur Zunahme der Flüge insgesamt erhöht. „Das ist kein heißes Thema“, sagt auch Jörg Handwerk von der Pilotenvereinigung Cockpit.

Dagegen kommt eine neue Studie der Luftverkehrsorganisation IATA zu dem Ergebnis, dass die Zwischenfälle an Bord weiter zunehmen, meistens, weil Passagiere die Sicherheitsanweisungen missachten.

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