Juan Carlos I. : Der traurige König - einsam, verlassen, gehasst

Nuschelnd, mit zitternden Händen und fahlen Augen hat König Juan Carlos von Spanien am Montag seine Abdankung im Fernsehen verkündet. Ein gebrochener Mann verabschiedet sich von seinem Königreich.

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Jämmerlich zusammengesackt. Juan Carlos I. erklärt seine Abdankung. Foto: REUTERS
Jämmerlich zusammengesackt. Juan Carlos I. erklärt seine Abdankung.Foto: REUTERS

Es war sichtlich die schwerste Ansprache des spanischen Königs an das Volk: „Ich habe entschieden, meine Regentschaft zu beenden und abzudanken“, erklärte ein bewegter König Juan Carlos per TV-Ansprache den Spaniern. Der 76-jährige, der nach einer Reihe von Hüft- und Knieoperationen am Stock geht, saß im mausgrauen Anzug hinter seinem Schreibtisch. Mit feuchten Augen und unruhigen Händen, die er immer wieder verschränkte, um sie nicht zittern zu lassen. „Heute verdient eine jüngere Generation, in erster Reihe zu stehen und jene Reformen voranzubringen, welche diese Zeit erfordert“, nuschelte Juan Carlos. Dann folgte die spanische Nationalhymne. Es war mittags gegen 13 Uhr, Spaniens 46 Millionen Bürger hielten den Atem an, Radio- und Fernsehapparate waren überall auf volle Lautstärke gestellt. Die Nation war Stunden zuvor vorgewarnt worden. Denn ein ernster Regierungschef Rajoy, hatte die Nachricht bereits am Vormittag mitgeteilt. „Dies sei der beste Zeitpunkt, damit die Thronfolge mit völliger Normalität erfolgen kann“.

Seine Frau, Königin Sofia, hasst ihn

„Ich wollte der König aller Spanier sein“, sagte traurig Juan Carlos in seiner Abschiedsrede. Doch die goldenen Zeiten des einst so volksnahen Monarchen, der deswegen einmal als „Bürgerkönig“ galt, sind lange vorbei. Seine Elefantenjagd, seinen Unfälle und Liebesaffären, sowie die Korruptionsaffäre seiner Tochter und seines Schwiegersohns erschütterten die Autorität der Monarchie, der König wurde zunehmend verhasst. So geht jetzt ein trauriger, einsamer, selbst von seiner Frau gemiedener Monarch von dannen.

Spätestens jener Luxus-Jagdausflug ins afrikanische Botswana, wo Ihre Hoheit im Frühjahr 2012 wieder einmal auf Elefanten anlegte, öffnete der spanischen Öffentlichkeit die Augen. Eine Safari, wo sich der König nicht nur die Hüfte brach. Sondern er auch noch mit seiner „herzlichen Freundin“, der 30 Jahre jüngeren Deutschen Corinna zu Sayn-Wittgenstein erwischt wurde. Und das auf dem Höhepunkt der spanischen Finanz- und Wirtschaftskrise mit Millionen Arbeitslosen und Familien, die den Gürtel immer enger schnallen mussten. Die Empörung im Krisenstaat Spanien war so groß, dass Juan Carlos öffentlich Abbitte leisten musste. „Es tut mir sehr leid. Ich habe mich geirrt. Das wird nicht mehr vorkommen.“

Korruptionsvorwürfe erschütterten die Monarchie

Er musste sich auch bei Königin Sofía entschuldigen, die so wütend auf ihren Gemahl war, dass sie nach seinem Sturz und Rettungsflug nach Spanien erstmal keine Lust hatte, ihn im Krankenhaus zu besuchen. Die Ehe zwischen den beiden gilt als zerrüttet - die goldene Hochzeit im vergangenen Jahr fiel aus.

 Genauso brachten die Korruptionsvorwürfe gegen den königlichen Schwiegersohn Iñaki Urdangarin die Fundamente der Monarchie ins Wanken. Urdangarin, Ehemann der zweitältesten Königstochter Cristina, wird beschuldigt, jahrelang öffentliche Gelder in Millionenhöhe ergaunert und Steuern hinterzogen zu haben. Er muss sich vermutlich demnächst vor Gericht verantworten. Auch Prinzessin Cristina soll in die krummen Geschäfte verwickelt sein.

 Juan Carlos steuerte Spanien in die Demokratie

Unumstritten bleibt freilich ist Juan Carlos’ Verdienst in der Vergangenheit: Vor allem den älteren Menschen ist der König als jener Mann in Erinnerung, der Spanien von der Diktatur, die 1975 nach dem Tod von General Franco zu Ende ging, zur Demokratie steuerte. Franco hatte Juan Carlos schon 1969 zum Nachfolger als Staatschef bestimmt.

 Die älteren Spanier haben auch nicht vergessen, wie Juan Carlos am 23. Februar 1981 einen Putschversuch rechter Militärs stoppte. Unter den jungen Spaniern steigt derweil heute die Zahl jener, die sich auch ein Land ohne König und mit einem gewählten Staatschef vorstellen können. Spaniens Königshaus steuert also auch mit dem künftigen König Felipe VI. auf ungewisse Zeiten zu. 

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