• Jugend 2001: Ein Gefühl von Überlegenheit - Gemmas Magersucht begann mit einer einfachen Diät

Welt : Jugend 2001: Ein Gefühl von Überlegenheit - Gemmas Magersucht begann mit einer einfachen Diät

Regina Köthe

Gemma ist ein hübsches Mädchen. Sie hat lange braune Locken und ein fein geschnittenes Gesicht. Schreiben ist ihr Hobby. In der Schule hat ihre Lehrerin sie ermuntert, einen Aufsatz über Magersucht zu schreiben. Gemma hat ihre eigene Geschichte aufgeschrieben, denn sie ist magersüchtig. Alles fing ganz harmlos mit einer Diät an. "Ich war ein regelrechter Vielfrass und fühlte mich zu dick." Die 13-Jährige wog damals 60 Kilo. In kurzer Zeit nahm sie drei Kilo ab. "Ich war so glücklich und stolz. Natürlich wollte ich da nicht aufgeben." Das Abnehmen ging also weiter und nach dreieinhalb Monaten wog sie nur noch 46 Kilo.

Ihre Eltern, ihre Schwester und die Freunde fanden es zuerst gut, dass sie so schlank geworden war. Aber dann begannen sie, sich zunehmend Sorgen zu machen, denn Gemma wurde immer dünner. Auf die Warnungen hörte sie nicht. Gemma schaute den anderen auch gerne beim Essen zu. "Das gab mir ein Gefühl von Überlegenheit. Sie müssen sich die Kalorien reinschaufeln, aber ich kann mich beherrschen."

Vor einigen Monaten hatte sie einen Kreislaufzusammenbruch. Ihre Mutter ging daraufhin mit ihr zur Beratung bei "Dick und Dünn". "Die Frau dort hat mir ein paar Fragen gestellt und dann hat sie mir gesagt: Du bist bereits magersüchtig. Ich war total geschockt. Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich wirklich magersüchtig bin." Und die Zweifel sind bis heute geblieben. Wenn es ihr gut geht, dann isst sie etwas mehr und fühlt sich nicht krank. "Magersucht - das ist so ein Stempel, der einem aufgedrückt wird." Für sie sind Magersüchtige kranke, dürre und hässliche Mädchen. "Ich habe etwas erreicht und das Abnehmen hat mich stark gemacht. Krank sein würde bedeuten, dass ich schwach bin."

Heute ist ihr bewusst, dass ihr Hungern begann, als sie sich unglücklich fühlte. Sie hatte Ärger mit ihrer besten Freundin und war verliebt. "Ich dachte: Wenn ich richtig dünn bin, dann werde ich glücklich und beliebt sein." Jetzt kann sie nicht aufhören zu hungern. "Das Schlimmste ist, alles dreht sich um das Thema Essen." Zurzeit wartet Gemma auf einen Therapieplatz. Sie ist nicht sicher, ob ihr geholfen werden kann, aber sie will es versuchen.

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