Jugendschutz : DSDS auf dem Prüfstand

Die Sendung "Deutschland sucht den Superstar“ ist Ziel heftiger Kritik. Jetzt soll die Kommission für Jugendmedienschutz die Sendung auf ihr Gefährdungspotenzial für Jugendliche untersuchen.

Marie Preuß

Berlin"Ich glaub, wenn Du in die Berge gehst und Du rufst, da kommt da kein Echo, weil Echos haben auch Geschmack", so Dieter Bohlens qualifizierter Kommentar zu dem misslungenen Auftritt des 17-jährigen Raymund R. Der hatte für das Casting den Titel "Die perfekte Welle" zum Besten gegeben und wurde daraufhin von seinem großen Vorbild zur Schnecke gemacht.

In einem Video, das der Sender vorbereite, hatte Raymond vorher seiner Begeisterung Ausdruck verliehen: "An Dieter Bohlen find ich so gut: Sein Aussehen und seine Sprüche." Nun brachte das Urteil seines Idols den Kandidaten an den Rand eines Nervenzusammenbruch.

Schutz der Jugend

Der Jugendmedienschutz (KJM) will mit seiner Arbeit die Einflüsse der Erwachsenenwelt auf Jugendliche und Kinder regeln. Gefahren, die bestimmte Sendungen auf die Persönlichkeitsentwicklung Heranwachsender haben, sollen verbannt werden.

Eine solche Gefahr könnte die Sendung "Deutschland sucht den Superstar" sein. "Die hämische Inszenierung von weniger talentierten Kandidaten", insbesondere durch den Juror Dieter Bohlen, würde Menschen bloß stellen, so die Angst der Prüfstelle.
Die fünfte Folge des Quotenbringers ist nun gerade angelaufen. Die Kritik wird zunehmend handfest, die Rufe nach Einhalt gebietenden Maßnahmen immer lauter.

RTL: "Raymund hat sich schnell erholt"

Im Abspann des missglückten Casting-Vortrags von Raymund kommentierte RTL den Heulkrampf im betont süffisanten Tonfall: "Raymund hat sich von seinem Besuch bei uns schnell erholt und konnte wohlbehalten und mit Puls das Gebäude verlassen."

Das ist so jedoch nicht ganz richtig. Weil in dem Video Raymunds ganzer Name und auch sein Wohnort angegeben wurden, konnte man ihn leicht identifizieren. Täglich wird er seitdem von Anrufern, Besuchern und fremden Menschen auf der Straße terrorisiert, im Internet nehmen die Kommentare zu seinem Auftritt böse Formen an. Auf dem Videoportal "Youtube" schreibt einer: "Wenn Bohlen wieder einen fertig macht, zieht ne Knarre und schießt euch in den Kopf." Und fügt hinzu: "Leck mich fett das wär mal cool und unerwartet." Unbekannte sollen zudem die verglaste Haustür seines Wohnhauses eingetreten haben. Er sei "völlig fertig", so Raymund in einem Interview mit "Spiegel Online".

RTL dagegen sieht bei der Frage um den Schutz der Jugendlichen besonders die Erziehungsberechtigten in der Pflicht, ihre Kinder von dem Mitmachen in der Sendung anzuhalten, wenn sie kein Talent hätten.

Am 19. Februar soll die KJM über ein etwaiges Bußgeld gegen den Sender beraten.



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