Justiz : Neuer Haftskandal in JVA Siegen

Ein 27-jähriger Insasse der Justizvollzugsanstalt Siegen soll im Sommer einen gleichaltrigen Mitgefangenen dazu gezwungen haben, sich die Pulsadern aufzuschneiden. Im Januar muss er sich dafür vor Gericht verantworten.

Siegen - Der mutmaßliche Täter muss sich wegen Körperverletzung und schwerer Nötigung vor dem Siegener Schöffengericht verantworten, wie eine Gerichtssprecherin am Mittwochabend mitteilte. Die Tat soll sich bereits am 24. Juli ereignet haben. Das Opfer habe als selbstmordgefährdet gegolten und sei deshalb mit anderen Häftlingen in einer Zelle untergebracht gewesen. Hier sei es laut Anklageschrift von dem Mitgefangenen gezwungen worden, sich die Pulsadern aufzutrennen. Der Mann überlebte. Nähere Einzelheiten wollten Landgericht und Staatsanwaltschaft am Donnerstag mitteilen.

Nach Informationen der "Siegener Zeitung" ermittelt die Staatsanwaltschaft auch wegen zweier weiterer Vorfälle in der JVA Siegen. Dabei hätten sich Gefangene während Zellendurchsuchungen nackt auf dem Gefängnisflur aufhalten müssen.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Wie ein Sprecher der Siegener Staatsanwaltschaft mitteilte, haben sich die beiden Durchsuchungen Mitte August und Mitte September ereignet. Die betroffenen Strafgefangenen hätten sich unabhängig voneinander Anfang Oktober mit Eingaben an die Staatsanwaltschaft gewandt. Allerdings sei man erst am Anfang der Ermittlungen.

In der "Siegener Zeitung" räumte der Leiter der JVA, Michael Wulf, die Umstände der Durchsuchung ein. Allerdings seien die unbekleideten Männer für ihre Mitgefangenen nicht zu sehen gewesen. In der JVA Siegburg war ein 20-jähriger Strafgefangener in der Nacht zum 12. November von seinen drei Zellengenossen vermutlich stundenlang gequält und schließlich ermordet worden. Die Tat hat eine öffentliche Debatte über die Zustände in den nordrhein-westfälischen Gefängnissen ausgelöst. (tso/ddp)

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