Justiz : Susanne Klattens Erpresser angeklagt

Die Münchner Justiz veröffentlicht Einzelheiten – die Milliardärin war seinem Charme erlegen.

Klatten
Susanne Klatten -Foto: dpa

München - Gegen den Erpresser der Münchner Quandt-Erbin und Milliardärin Susanne Klatten ist Anklage erhoben worden. Die Staatsanwaltschaft in München werfe dem 43 Jahre alten Schweizer Helg Sgarbi gewerbsmäßigen Betrug, versuchten gewerbsmäßigen Betrug und versuchte gewerbsmäßige Erpressung vor, teilte die Pressestelle des Oberlandesgerichts München am Donnerstag mit.

Die Anklage wurde bereits am 3. Dezember erhoben, aber erst jetzt bekanntgegeben, weil zunächst die Zustellung an den Beschuldigten abgewartet werden musste. Sgarbi sitzt seit März dieses Jahres in München in Untersuchungshaft.

Die 46 Jahre alte Quandt-Erbin und BMW-Großaktionärin Klatten, verheiratete Mutter dreier Kinder, soll den Schweizer 2007 zufällig an einer Hotelbar kennengelernt haben, seinem Charme erlegen sein und ihn mehrfach in Hotelzimmern getroffen haben. „Die Erpressungen mit Bildern von gemeinsamen Begegnungen haben im Herbst 2007 begonnen“, hatte Klattens Sprecher Jörg Appelhans im November mitgeteilt. „Zunächst forderte der Erpresser ein Darlehen über mehrere Millionen Euro, später versuchte der Täter eine weit höhere Summe zu erpressen.“ Trotz der drohenden Öffentlichkeit, die sie zeitlebens gemieden hat, entschloss sich Klatten dann, zur Polizei zu gehen.

Die Details der drei Vernehmungen Klattens waren an die Öffentlichkeit gelangt und von einer Zeitung ins Internet gestellt worden. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den Mann, er habe sich das Vertrauen reicher Frauen erschlichen und sich „eine nicht nur vorübergehende Einnahmequelle verschafft“, indem er seine Opfer durch Täuschung oder Bedrohung zu erheblichen Bargeldübergaben veranlasst oder dies zumindest versucht habe. Sgarbi ging den Ermittlungen zufolge dabei immer nach derselben Masche vor und präsentierte in unterschiedlicher Ausschmückung einen erfundenen Verkehrsunfall, bei dem er ein Kind schwer verletzt habe. Er sei deshalb Schadenersatzforderungen, Erpressungen und anderen Repressalien ausgesetzt, weshalb er dringend finanzielle Unterstützung in Form von Darlehen benötige. Wenn diese Mitleidstour nicht zog, soll der Schweizer zum Teil damit gedroht haben, Bildmaterial von intimen Treffen zu veröffentlichen oder der Familie und Freunden seiner Opfer zugänglich zu machen. Nun muss die 8. Strafkammer des Landgerichts München I über die Zulassung der Anklage und die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheiden. Der Prozess wird jetzt relativ schnell im neuen Jahr erwartet.

Nachdem Klatten ihn angezeigt hatte, war Sgarbi am 14. Januar dieses Jahres in Österreich festgenommen worden. Einen 63 Jahre alten Italiener, der als Komplize des Schweizers gilt, erwartet in Italien ein Verfahren. Er soll jeweils vom benachbarten Hotelzimmer die Treffen von Sgarbi und Klatten heimlich gefilmt haben. dpa

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