Justizfehler : Vorbestrafter Pädophiler verurteilt

Ein verurteilter pädophiler Straftäter leistete seine Sozialstunden im Kindergarten ab. Nachdem er sich wieder Kindern genähert hatte, flog der Justizskandal auf. Heute wurde der Mann erneut verurteilt.

Pädophiler
Der verurteilte Pädophile leistete Sozialstunden - im Kindergarten. -Foto: dpa

Osnabrück/MelleDas Amtsgericht Osnabrück verurteilte den Mann zu einem Jahr Haft auf Bewährung. Ausgerechnet beim Ableisten von Sozialstunden in einem Kindergarten war der Angeklagte rückfällig geworden. Das Gericht folgte damit dem Antrag der Anklage. Brisantes Detail des Falles: Die Staatsanwaltschaft selbst war es, die den 41-Jährigen in den Kindergarten geschickt hatte, nachdem er selbst den Arbeitsort vorgeschlagen hatte. Er sollte dort Sozialstunden ableisten, weil er sich vorher Sozialleistungen ergaunert hatte. Gegen die verantwortliche Mitarbeiterin der Staatsanwaltschaft läuft ein Disziplinarverfahren.

Der 41-Jährige muss außerdem 500 Euro an den deutschen Kinderschutzbund zahlen, wie Richter Horst-Dieter Kemper in seinem Urteil sagte. Der Mann hatte vor dem Jugendschöffengericht eingeräumt, sich bei der sozialen Arbeit in zwei Fällen erneut Kindern unsittlich genähert zu haben. "Es tut mir äußerst leid, ich würde es gerne rückgängig machen", sagte er mit brüchiger Stimme.

"Eine Riesenkatastrophe"

Eine Mitarbeiterin der Gerichtshilfe bei der Staatsanwaltschaft hatte es versäumt, die Akte des mehrfach vorbestraften Mannes ordnungsgemäß zu prüfen. "Das ist eine Riesenkatastrophe und ein großer Fehler, das geht nicht", sagte der Sprecher der Anklagebehörde, Alexander Retemeyer.

Bereits zuvor hatte die Mitarbeiterin den Mann in der Landesturnschule in Melle eingesetzt, wo er aber nicht straffällig wurde. Davor hatte der Mann Sozialstunden als Hausmeister in einer Grundschule abgeleistet. Bisher ist unklar, wer ihn dort eingesetzt hat. Der Verein "Deutsche Kinderhilfe Direkt" stellte nach dem Urteil Strafanzeige wegen Delikten wie Beihilfe zum sexuellen Missbrauch von Kindern und wegen Amtspflichtverletzungen. (mit dpa)