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Kachelmann-Prozess : Aussage gegen Aussage

Der Prozess gegen Wettermoderator Jörg Kachelmann hat heute begonnen - und ist schon vertagt. Die Anwälte Kachelmanns hatten Befangenheitsanträge gegen zwei Richter der Kammer gestellt.

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Unter großem Medieninteresse hat am Montagmorgen vor dem Landgericht Mannheim der Prozess gegen den Fernsehmoderator Jörg Kachelmann begonnen. Unmittelbar nach Prozessbeginn wurde die Verhandlung vertagt, sie soll am 13. September fortgesetzt werden. Die Anwälte Kachelmanns hatten am Morgen Befangenheitsanträge gegen
zwei Richter der Kammer gestellt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 52-jährigen Schweizer vor, seine langjährige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Er hat die Vorwürfe stets bestritten. Bei einer Verurteilung drohen Kachelmann bis zu 15 Jahre Haft.

In diesem Prozess wird der Angeklagte nicht nur das letzte Wort haben, er hatte auch das erste. Wie es zur Prominenz der Person und des gesamten Verfahrens gehört, nicht im Gerichtssaal, sondern via Medien. Da präsentiert er sich bei „Youtube“ aufgeräumt, frisch gefönt und in gebügeltem Hellblau nach seiner spektakulären Entlassung aus der Untersuchungshaft. Er spricht von der schrecklichsten Zeit seines Lebens, schwärmt aber auch von Zusammenhalt und Freundschaft, davon, dass gestandene Männer sich an seiner Schulter ausweinten und von seinem Job als Hilfsputzer von Flur und Klos an der Seite von „meinem Freund René“. Fast meint man, da sehne sich einer zurück, weil ihm so viel Wärme selten widerfuhr.

Jetzt jedoch ist das mediale Antichambrieren vorbei, die Beteiligten müssen hinein in die Strafkammer, der Prozess gegen den Wettermoderator beginnt, und wenn er für den Angeklagten schlecht endet, droht jahrelange Haft. Vergewaltigung in einem schweren Fall werfen ihm die Staatsanwälte vor, weil er seine frühere Freundin im Februar in deren Schwetzinger Wohnung mit einem Messer bedroht und sich gewalttätig an ihr vergangen haben soll. Jörg Kachelmann bestreitet die Tat, sein Verteidiger Reinhard Birkenstock und er werfen dem angeblichen Opfer vor, ein Komplott aus enttäuschter Liebe zu inszenieren, weil der Angeklagte sich von ihr habe trennen wollen.

Das Gericht plant eine minutiöse Beweisaufnahme. 13 Verhandlungstage sind geplant, Ende Oktober könnte ein Urteil fallen – Haft oder Freispruch. 25 Zeugen und fünf Sachverständige will die Fünfte Große Strafkammer des Landgerichts Mannheim vernehmen. Wobei die von der Verteidigung benannten Gutachter offenbar nicht gehört werden, so der „Spiegel“. Das angebliche Opfer, eine Frau Ende 30, in den Medien „Sabine“ genannt, ist zunächst auch noch nicht dabei. Erst sollen andere Frauen aus Kachelmanns Umfeld aussagen. Für Strafverteidiger ein Indiz, dass die Aussage der einzigen echten Belastungszeugin besonders genau unter die Lupe genommen werden soll.

Doch für die entscheidenden Momente, die Nacht vom 8. auf den 9. Februar, gibt es nur zwei Zeugen, den Angeklagten und die Frau. Bei „Sabine“ hört sich das so an: Sie habe entdeckt, dass ihr vermeintlich treuer Freund weitere Verhältnisse zu Frauen pflegt. Als Beleg hielt sie ihm zwei Flugtickets vor, eins für ihn, eines für eine Nebenbuhlerin. Es sei aus, habe sie gesagt, woraufhin der im Fernsehen stets sanftmütig Auftretende ausgerastet sei. Lüge, sagt Kachelmann, es sei ein Abend gewesen wie so viele mit dem angeblichen Vergewaltigungsopfer. Kochen, Essen, Sex, manchmal auch erst Sex, dann Essen. Auf jeden Fall von beiden erwünscht, wie stets. Wegen der anderen Affäre habe es Streit gegeben, man habe sich getrennt. Dann fuhr der Moderator ins Hotel. Das „Kerngeschehen“, so nennen Juristen die Tatumstände, kann, wenn überhaupt, nur von diesen beiden aufgeklärt werden – doch ihre Aussagen könnten konträrer nicht sein.

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