Kachelmann-Prozess : Das angebliche Opfer spricht

Im Kachelmann-Prozess hört das Gericht den Notruf des angeblichen Vergewaltigungsopfers an.

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Jörg Kachelmann verlässt ein letztes Mal das Mannheimer Gerichtsgebäude. Seine Rolle bleibt undurchsichtig.Weitere Bilder anzeigen
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31.05.2011 20:26Jörg Kachelmann verlässt ein letztes Mal das Mannheimer Gerichtsgebäude. Seine Rolle bleibt undurchsichtig.

Es ist das erste Mal, dass im Mannheimer Gerichtssaal die Worte von Simone D. gehört werden, dem angeblichen Opfer Jörg Kachelmanns. Aber ihre Stimme kommt nur vom Band, selbst will sie bis zu ihrer Aussage dem Vergewaltigungsprozess fernbleiben. Es handelt sich um den Anruf bei der Schwetzinger Polizei, am Morgen nach der angezeigten Tat, 9. Februar um 8 Uhr 11. Simone war bei ihren Eltern, in der Nähe der eigenen Wohnung. Erst telefoniert der Vater mit den Beamten, dann reicht er den Hörer an die Tochter weiter. Sie spricht gefasst, wirkt konzentriert.

„Guten Tag, mein Name ist Simone D. (Name geändert), ich bin heute Nacht vergewaltigt worden. Ich weiß nicht, was ich machen soll.“ „Von wem?“, fragt der Beamte. „Von meinem Freund“. „Ist er noch da?“„Nee, der ist weg.“

Dann schildert sie, sie sei bei ihren Eltern und gehe jetzt in die eigene Wohnung zurück, macht Angaben zu Alter und Adressen, gibt ihre Telefonnummer.

„Eine Frage noch: Wie geht’s“, will der Beamte wissen. „Ich bin okay.“

Es war diese Meldung, die für den Wettermoderator mehr als 130 Tage Untersuchungshaft bedeutete und ihm ein Verfahren einbrachte, das ihn bis zu 15 Jahre ins Gefängnis bringen kann. „Beeindruckend“, nennt Kachelmanns Rechtsanwalt Reinhard Birkenstock das Band und spielt auf die Ruhe der Zeugin an. Am Mittwoch, dem dritten Prozesstag, trat das Gericht in die Beweisaufnahme ein, auch die ersten Zeugen kamen zu Wort.

Nach ihrer Meldung ließ Simone polizeiliche Befragungen und rechtsmedizinische Untersuchungen über sich ergehen. Erst dabei kam heraus, dass sich der Verdacht gegen einen Prominenten richtete. Simones Freund Kachelmann machte sich auf den Weg zum Flughafen, er wollte nach Vancouver, zu den Olympischen Winterspielen. Wie nun deutlich wurde, entschieden sich die Strafverfolger bewusst, ihn ziehen zu lassen. Es lag nach Angaben eines Kommissars bis dahin nur eine Vernehmung mit der Frau vor.

Der dritte Prozesstag zeigte auch, wie es weitergehen wird in diesem Verfahren. Der Vorsitzende Richter Michael Seidling lehnte Anträge der Verteidigung ab, Ex-Freundinnen als Zeuginnen „abzuladen“. Auch soll es dabei bleiben, dass die Nebenklägerin erst nach den anderen Gefährtinnen Kachelmanns aussagt. „Keine der Zeuginnen wird von Vergewaltigungsszenen berichten, es geht um die Schilderungen sadomasochistischer Liebesspiele“, so Seidling. „Die Aussagen werden voraussichtlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.“

Dafür setzte sich die Verteidigung mit ihrem Antrag durch, die von ihr geladenen Sachverständigen vor Gericht zuzulassen. Damit haben auch die beiden Rechtsmediziner Bernd Brinkmann und Markus Rothschild ein Fragerecht, ebenso wie der Psychiater Tilman Elliger. Brinkmann und Rothschild hatten die Nebenklägerin ebenfalls untersucht, sind aber, anders als der vom Gericht bestellte Sachverständige Rainer Mattern, zu dem Schluss gekommen, dass es Hinweise auf Selbstverletzungen gebe, das Verletzungsbild jedenfalls „ungewöhnlich“ sei. Simone D. hatte Kratzer an Hals und Bauch, auf den Innenseiten der Oberschenkel fanden sich großflächige Hämatome.

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