Welt : Kälterekord entzweit Meteorologen

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Einen kuriosen Streit leisteten sich zur Weihnachtszeit die konkurrierenden Meteorologen Jörg Kachelmann und der Deutsche Wetterdienst. Der Fernsehmeteorologe Kachelmann, der mit seiner Wetteragentur Meteomedia auch für den Tagesspiegel die Vorhersagen erstellt, kam am Montag mit der großen Meldung heraus, noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen sei in Deutschland eine so niedrige Temperatur wie in der vorhergegangenen Nacht gemessen worden. "Am Funtensee im Berchtesgadener Land haben wir 45,9 Grad unter Null gemessen", sagte Jörg Kachelmann. "Ich war selber oben, es ist wirklich ganz nett. So kalt war es seit 1870 nicht in Deutschland."

"Ausreißer" giftete umgehend der Deutsche Wetterdienst. Ein wie von Kachelmann gemessener Rekord-Wert unter minus 45 Grad könne in Deutschland allenfalls kurzzeitig an einem bestimmten Ort auftreten. Dies sei für das Wettergeschehen über die Jahre gesehen aber nicht von größerer Bedeutung.

Kachelmann ist wegen seines Erfolges als allgegenwärtiger Meteorologe dem altehrwürdigen Deutschen Wetterdienst schon lange ein Dorn im Auge. Immer wieder stiehlt Kachelmann dem Wetterdienst die Schau. Das war beispielsweise so, als Kachelmann durchsetzte, dass Hochwetterlagen auch Frauennamen bekommen dürfen. Der Wetterdienst mit seiner Zentrale in Offenbach musste klein beigeben, Kachelmann hatte die Öffentlichkeit hinter sich.

Als an Heiligabend Kachelmann die Rekord-Tiefsttemperatur bekannt gab, ließ dies den Deutschen Wetterdienst nicht ruhig. Statt anzuerkennen, dass Kachelmann eine Rekordtemperatur zu vermelden hatte, versuchte der Wetterdienst, die Meldung klein zu reden. Gefuchst haben dürfte den Wetterdienst, dass nicht eine seiner Wetterstationen eine solche Temperatur gemessen hatte, sondern die des Konkurrenten. Über dpa ließ der Wetterdienst erklären, extreme Temperaturunterschiede von bis zu 40 Grad innerhalb Deutschlands könnten in wenigen Stunden entstehen. "Auch wenn sich am Wetter nichts ändert, kann die Temperatur in kurzer Zeit von minus 40 auf minus 5 Grad steigen", sagte der Meteorologe Ansgar Engel vom Deutschen Wetterdienst. Weil sich die kalte Luft in Tälern wie Wasser sammele, entstünden dort so genannte Kaltluftseen. Wenn ein kräftiger Wind in diese zehn bis 30 Meter dicken Schichten hereinblase, wehe er die kalte Luft weg und lasse das Quecksilber wieder steigen. Temperaturen von minus 45,9 Grad, wie Kachelmann sie im Berchtesgadener Land gemessen habe, kämen in diesem Gebiet häufiger vor, sagte Engel. "Das ist ein typisches Kaltlufttal - nur hat da bis vor zwei Jahren noch keiner die Temperatur gemessen." In den vergangenen Wintern, vor allem in den Jahren 1995 und 1982/1983, sei der vermeintliche Kälterekord aber vermutlich übertroffen worden. Auch auf der Schwäbischen Alb gebe es solche "Kältelöcher". Beweisen kann der Deutsche Wetterdienst diese Behauptungen nicht. An solchen interessanten Stellen hat er keine Wetterstationen aufgestellt.

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