Welt : Kältetote: 100 Menschen im russischen Winter erfroren

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Trotz relativ milder Temperaturen gab es in Moskau in diesem Winter bereits mehr als einhundert Kältetote. Das erste Unterkühlungsopfer bargen Notarztbrigaden schon am 10. Oktober, die letzten beiden in der Nacht zum Donnerstag. Ein Sprecher der hauptstädtischen Gesundheitsaufsichtsbehörde sagte, seit Jahresbeginn sei die Anzahl der Todesfälle durch Erfrieren und Unterkühlung um 25 Prozent gestiegen. Die meisten davon dürften auf das Konto des Alkohols gehen, dem die Russen in diesen Tagen noch reichlicher als gewöhnlich zusprechen.

Zwischen Neujahr und dem orthodoxen Weihnachtsfest am 7. Januar kommt in Russland das gesamte öffentliche Leben zum Erliegen. Die Büros sind verwaist, Zeitungen erscheinen erst wieder am nächsten Dienstag, und die Stadtreinigung arbeitet auch nur mit halber Kraft. Spiegelglatte Bürgersteige, auf denen der tagsüber angetaute Schneematsch nachts wieder überfriert, und äußerst sparsame Straßenbeleuchtung werden daher häufig sogar Stocknüchternen auf dem nächtlichen Heimweg zum Verhängnis. Angetrunkene indessen können sich nach einem Sturz oft nicht mehr aufrappeln und bleiben einfach liegen und werden erst am nächsten Morgen entdeckt. Dann aber kommt selbst bei wenigen Minusgraden jede Hilfe zu spät.

Weitaus dramatischer als in Moskau ist die Situation jedoch in Ostsibirien, wo ganze Landkreise seit Monaten ohne Heizung und seit ein paar Tagen sogar ohne Strom auskommen müssen. Obwohl Väterchen Frost gerade in diesem Winter mit Temperaturen von bis zu minus 47 Grad erbarmungslos zuschlägt. Die Kraftwerke der Pazifikregion können nur ein Drittel ihrer Kapazitäten nutzen, weil das Geld für den Ankauf von Kohle fehlt. Um bei Handelsbanken einen Kredit zu bekommen, hat Gouverneur Nasdratenko am Donnerstag schon den gesamten Fuhrpark der Regionalregierung, darunter auch seinen eigenen Mercedes verpfändet.

Die Zentralregierung in Moskau erwägt sogar, über die Region den Ausnahmezustand zu verhängen. Vor den flächendeckenden Stromabschaltungen zu Wochenbeginn konnte die verzweifelten Menschen mit Heizgeräten wenigstens in einem Zimmer ihrer Wohnungen für plus zehn Grad sorgen. Jetzt liegt die Innentemperatur häufig in der Nähe des Gefrierpunktes. Weil dadurch inzwischen auch die Leitungen zufroren, haben die meisten Haushalte momentan kein fließend Wasser und die Kanalisation funktioniert ebenfalls nicht.

In Deutschland dagegen werden die Temperaturen bis zum Wochenende am Oberrhein auf zwölf Grad steigen. Schnee gibt es nur auf den höchsten Bergen, Glatteis dagegen schon in den Mittelgebirgen. Freitag und übers Wochenende dürfte es in ganz Deutschland regnen. Dazu kommen starke Winde, sagte der Deutsche Wetterdienst (DWD) voraus. Für die Erwärmung sorgt das Tief "Angelo", das als Nachfolger von Tief "Thalia" milde Meeresluft heranbringt. Mit dem neuen Jahr wechselte wiederum die Bezeichnungsregelung für Hochs und Tiefs, die seit zwei Jahren gilt. In einem Jahr werden die Tiefdruckgebiete mit Frauen-, im anderen mit Männernamen bezeichnet.

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