Kahlrasur statt Todesschuss : Neues Rache-Ritual in Oberägypten

Eine unblutige Methode, Familienfehden auszutragen, haben sich Dorfbewohner in Oberägypten einfallen lassen: Sie rasierten einem Mann den Kopf und das Gesicht.

KenaEine unblutige Methode, Familienfehden auszutragen, haben sich Dorfbewohner in Oberägypten einfallen lassen. Einwohner des Dorfes Al-Mahrusa in der Provinz Kena berichteten, Angehörige einer Familie aus dem Dorf hätten kürzlich nach einem Streit zwischen ihrem und einem anderen Clan einen Mann aus der verfeindeten Familie verschleppt und ihm seinen Schnurrbart, die Augenbrauen und das Haupthaar abrasiert. Anschließend ließen sie den Kahlköpfigen wieder frei. Als dieser zu seiner Familie zurückkehrte, waren seine Verwandten sehr empört. Denn der Schnäuzer gilt in dieser Region Ägyptens als Zeichen der Männlichkeit.

Daher zogen die Angehörigen des Kahlgeschorenen nun voller Rachedurst los, um sich einen Mann aus dem "gegnerischen" Clan zu schnappen. Sie rasierten auch ihm den Kopf und das Gesicht und feuerten anschließend Freudenschüsse ab - was wiederum die gegnerische Seite auf den Plan rief und schließlich in einer Massenschlägerei zwischen beiden Großfamilien endete.

Blutrache: 22 Tote an einem Tag

Die Polizei und mehrere Lokalpolitiker intervenierten und nach hitzigen Debatten auf der Polizeistation versöhnten sich schließlich alle Beteiligten. Einige Familien haben nun in ihren Empfangsräumen für Gäste Zettel aufgehängt, auf denen steht: "Pass auf Deinen Schnurrbart auf!"

Als Oberägypten wird der südliche Landesteil zwischen Minia und Assuan bezeichnet. Dort gibt es die Blutrache trotz staatlicher Kampagnen gegen diese grausige Tradition noch immer. Erst vor vier Jahren hatte ein Gericht sechs Mitglieder einer Familie zum Tode verurteilt, weil diese kaltblütig an einem Tag 22 Angehörige einer verfeindeten Familie erschossen hatten, darunter ein neun Jahre altes Kind.

In den ländlichen Regionen von Oberägypten besitzen viele Männer nicht-registrierte Schusswaffen. Auch während der Razzia der Polizei nach der Massenschlägerei in Al-Mahrusa wurden mehrere Gewehre beschlagnahmt. (mit dpa)

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