Kalifornien : Verdient am Leben: Teure Bademeister

Rettungsschwimmer in Kalifornien kassieren bis zu 200.000 Dollar im Jahr – aber nicht mehr lange. Es tobt ein echter Sturm um die Baywatch-Retter.

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Wasserpatrouille. Zwei Lifeguards am Strand von Ocean Beach.
Wasserpatrouille. Zwei Lifeguards am Strand von Ocean Beach.Foto: Reuters

Normalerweise kümmert sich Brent Jacobsen an heißen Juli-Tagen um die Touristen von Newport Beach. Als professioneller Lifeguard in Kalifornien muss der Captain mehr als 5000 mal im Jahr in die Fluten stürmen, um unerfahrene Schwimmer, darunter auch deutsche Touristen, aus dem Pazifik zu ziehen. Dieser Tage allerdings verbringt Captain Jacobsen mehr Zeit damit, sein Gehalt vor diversen Ausschüssen und Steuerverbänden in der Strandgemeinde südlich von Los Angeles zu verteidigen. Denn im sonnigen Kalifornien tobt ein echter Sturm um die gut gebauten Baywatch-Retter. Es geht um angeblich unverdiente Gehälter, happige Pensionen und langfristige Sonderleistungen für die Männer und Frauen, die einst durch diese Fernsehserie mit David Hasselhoff zu weltweitem Ruf gelangten.

Einige der Lifeguards kassieren nach einem Bericht der „Los Angeles Times“ mehr als 100 000 Dollar Grundgehalt im Jahr. Damit aber nicht genug. Zusätzlich kommen dann noch Sondervergütungen hinzu, die das Salär von mindestens 13 fest angestellten Lebensrettern auf mehr als 200 000 Dollar im Jahr anschwellen lassen. „Ein echter Skandal“, skandiert Leslie Daigle, Stadträtin von Newport Beach. „In Zeiten, da unsere Gemeinde starke Einschnitte in den Sozialleistungen unserer Bürger machen muss, können wir uns solch teure Bademeister einfach nicht mehr erlauben.“ Kopfschütteln erzeugte die neueste Meldung aus Newport Beach. Jeder fest angestellte Lifeguard, so sehen es die Statuten vor, der länger als 30 Jahre im Sand Wache geschoben und die Altersgrenze von 50 erreicht hat, darf seinen Anspruch auf eine lebenslange Pension, die 90 Prozent seines letzten Jahresgehalts ausmacht, geltend machen.

Newport Beach City Manager Dave Kiff hat jetzt genug. Bei den im September anstehenden Vertragsverhandlungen für seine Strandwacht fordert er drastische Einschnitte. „Wir werden nur noch 50 Prozent als Pension anbieten. Mehr geht einfach nicht“, sagte Kiff. An den Stränden von Kalifornien arbeiten 400 Bademeister als fest angestellte Beach Watch Patrol. In den Sommermonaten von Juni bis September allerdings heuern Städte wie Newport Beach, Manhattan Beach oder auch Santa Monica und Venice Tausende von weiteren Lifeguards an, um die Strände von Südkalifornien für Millionen von Strandgängern sicher zu machen. In der Regel erhält ein Jobeinsteiger um die 60 000 Dollar Grundgehalt. „Keine Frage, der Job als Lifeguard ist gut bezahlt“, sagt Brent Blackman. Der Ingenieur aus Los Angeles arbeitete fast zehn Jahre als Baywatch-Angestellter und finanzierte sich somit sein Studium.

Die Strandwächter verteidigen ihre Gehälter damit, dass sie ihren Job oftmals „nur unter Einsatz unseres Lebens ausüben können“, sagt der Rettungsschwimmer Jason Shook. Außerdem „setze ich mich jeden Tag der extremen Sonneneinstrahlung aus. Ich habe schon dreimal einen Hautkrebs entfernen lassen.“

Newport Beach weiß um die extremen Wetterbedingungen ihrer Lifeguards. Wohl auch deshalb bekommt jeder Bademeister zusätzlich eine Zulage von 400 Dollar im Monat zugesprochen – für Sonnencreme. Aber im Zuge der anstehenden Budget-Kürzungen dürften die Lebensretter in den knackigen Badeanzügen wohl schon bald selbst ihre Sonnencreme bezahlen.

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