Kalifornien : Verschmutzte Luft - Wenn Atmen krank macht

Selbst das Tragen von Atemschutzmasken hilft nicht: Die Behörden haben die Bürger Kaliforniens aufgerufen, sich in ihren Häusern aufzuhalten. Durch die tagelangen Brände sei so viel Treibhausgas entstanden, wie sonst 440.000 Autos in einem Jahr erzeugen.

San DiegoEine Woche nach dem Ausbruch der Waldbrände in Kalifornien hat die Luftverschmutzung bedrohliche Ausmaße angenommen. Die Umweltbehörde des US-Bundesstaates sprach am Samstag von einer "besorgniserregenden" Situation und empfahl vor allem den Bewohnern von fünf Bezirken im Süden Kaliforniens, zum Schutz ihrer Gesundheit in den Häusern zu bleiben.

Günstigere Wetterbedingungen erleichterten unterdessen die Brandbekämpfung. Die Feuerwehr konnte den Großteil der 23 Brände unter ihre Kontrolle bringen. Die Gefahr war aber noch nicht gebannt. 19.000 Menschen durften weiterhin nicht in ihre Häuser zurückkehren. Die kalifornischen Behörden warnten die Bevölkerung vor der durch die Brände entstandenen hochgiftigen Luft. Binnen einer Woche hätten die Brände so viel Treibhausgas in die Atmosphäre entsandt wie sonst 440.000 Autos in einem Jahr, sagte die Sprecherin der Abteilung für Luftqualität in der kalifornischen Umweltschutzbehörde, Patricia Rey. "Das ist sehr besorgniserregend."

Bürger sollen in ihren Häusern bleiben

Die Behörde rief die Menschen in den fünf Bezirken San Diego, Orange, Los Angeles, San Bernardino und Riverside auf, sich möglichst drinnen aufzuhalten. Alle Menschen, auch gesunde, spürten die Auswirkungen der Luftverschmutzung auf das Wohlbefinden, sagte Rey. Aber vor allem sensible Gruppen wie Senioren, Kinder oder Menschen mit Asthma und anderen Atembeschwerden sollten auf ausgedehnte sportliche Aktivitäten im Freien verzichten. Anstatt die Fenster zu öffnen, sollten lieber die Klimaanlagen eingeschaltet werden. Auch das Tragen von Atemschutzmasken helfe nicht, denn die giftigen Partikel seien "30 Mal feiner als ein einzelnes Haar" und würden durch die Masken nicht abgehalten.

Die am vergangenen Sonntag ausgebrochenen Waldbrände vernichteten in Südkalifornien bislang 203.000 Hektar Land und zerstörten 1800 Häuser. Am Samstag waren noch immer mehr als 20.000 Häuser bedroht, wenngleich die Feuerwehr nach eigenen Angaben die meisten der 23 Brände unter Kontrolle gebracht hatte. Die Feuerwehr rechnete damit, dass die drei größten Feuer innerhalb der kommenden zehn Tage unter Kontrolle gebracht werden könnten. Für die Löscharbeiten waren die Wetterbedingungen mit abgeflauten Winden und kühleren Temperaturen günstig. Der staatliche Wetterdienst warnte jedoch, das Wetter könne am Sonntag erneut Probleme bereiten. Die Meteorologen rechneten mit einem wieder stärker werdenden Wind und einer abnehmenden Luftfeuchtigkeit.

Rasante Ausbreitung der Brände

Extreme Trockenheit und starke Winde hatten in der vergangenen Woche zu einer rasanten Ausbreitung der Brände geführt. Sieben Menschen kamen durch die Brände ums Leben, die zu den schlimmsten in der Geschichte Kaliforniens zählen. Nach Angaben der Behörden flohen seit Beginn der Brände rund 640.000 aus ihren Häusern. Bislang hatte es Schätzungen gegeben, nach denen zwischen einer halben und einer Million Menschen vor den Bränden aus ihren Häusern geflohen waren.

Die meisten Flüchtlinge durften inzwischen wieder zu ihren Häusern zurückkehren. 19.000 Menschen unterstanden jedoch noch immer der Evakuierungsanweisung; 3000 Menschen hielten sich weiter in Notunterkünften auf. Die Rückkehrer suchten in den Resten ihrer abgebrannten Häuser nach Habseligkeiten. Hunderte Psychologen waren im Einsatz, um den Menschen in ihrem Kummer beizustehen. "Einige von ihnen sind überwältigt, sehr traurig, gestresst, wütend, frustriert", sagte die Rotkreuz-Mitarbeiterin Karen Hoganson, die in den vergangenen Tagen Vetriebene im Qualcomm-Stadion in San Diego betreut hatte.

Schwarzenegger stützt Kalifornien

Die Behörden setzten unterdessen Ermittler ein, um Versicherungsbetrüger, angebliche Sachverständige von Bauunternehmern und andere Schwindler aufzuspüren. Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger versprach, gegen jeden, der aus der Katastrophe Profit ziehen wolle, mit aller Härte vorzugehen. (mit AFP)

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