Kambodscha : Kleines Mädchen bei Geiseldrama getötet

Ein Geiseldrama in einem internationalen Kindergarten in Kambodscha ist mit dem Tod eines dreijährigen Mädchens tragisch zu Ende gegangen. Das Kind aus Kanada wurde von den Geiselnehmern erschossen als die Polizei das Gelände stürmte.

Phnom Penh (16.06.2005, 14:56 Uhr) - Sicherheitskräfte gingen mit Gewalt gegen die maskierten Geiselnehmer vor, die bis zu 40 Kinder und Lehrer für sechs Stunden in der Touristenstadt Siam Reap festgehalten hatten. Nach Angaben der kambodschanischen Regierung wurden vier Kriminelle, zum Teil noch im Teenager-Alter, festgenommen. Unbestätigten Angaben zufolge starben auch zwei Geiselgangster bei der Befreiungsaktion.

Das Kind, nach unbestätigten Angaben ein Junge, starb durch einen Schuss in den Kopf. Die übrigen Geiseln blieben nach offizieller Darstellung unversehrt, nach anderen Informationen gab es sechs Leichtverletzte. Die aus Kambodscha stammenden Gangster hatten die Schule gegen 09.30 Ortszeit überfallen und zunächst zwei Kindergartenklassen in ihre Gewalt gebracht. Später konnte ein Teil der Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren frei kommen. Hunderte von verängstigten Eltern, Freunden und Angehörigen versammelten sich vor der Schule.

Die Geiselnehmer verlangten nach Angaben eines Regierungssprechers in Phnom Penh 1000 Dollar (830 Euro), Waffen, einen Lieferwagen zum Abzug und sicheres Geleit zur thailändischen Grenze. Bei Nichterfüllung ihrer Forderungen drohten sie, eine Geisel nach der anderen zu erschießen. Nach offiziellen Angaben griff die Militärpolizei erst zu, als Schüsse fielen und das erste Kind tot war.

Über die Motive für die Geiselnahme gab es unterschiedliche Vermutungen. Einige Berichte sprachen von Drogenhändlern, andere von politisch motivierten Gewalttätern, die dem Tourismus in der Gegend schaden wollten. Vieles deutete auf unprofessionelle Anfänger hin. Als Anführer wurde ein 23-jähriger genannt. Der Vater eines betroffenen Kindes berichtete später der dpa: «Da war nichts Politisches im Spiel - das waren einfach vier Kerle, die etwas Geld wollten.»

Der Kindergarten liegt in der Nähe der berühmten Tempelanlagen von Angkor Wat, dem Touristenzentrum im Norden des Landes. Unter den Kindern waren Australier, Briten, Japaner, und Koreaner. Deutsche waren vermutlich nicht darunter. Dem Auswärtigen Amt in Berlin lagen jedenfalls keine Informationen vor, wonach Deutsche betroffen sein könnten. (tso)

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