Welt : Kampfhund-Angriff: Bewährungsstrafe für Halterin

Vier Monate nach dem tödlichen Angriff einer Rottweiler-Hündin auf eine 86-jährige Rentnerin im nordrheinwestfälischen Gladbeck hat das Amtsgericht am Donnerstag die 20-jährige Hundehalterin wegen fahrlässiger Tötung zu zehn Monaten Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt. Der Vorsitzende Richter der Jugendstrafkammer, Friedrich Korf, verhängte zudem ein Bußgeld von 2000 Mark und das Verbot, zwei Jahre lang Hunde zu halten oder zu züchten. Das relativ milde Urteil begründete Korf damit, dass die junge Frau "Reue zeigte, die nicht gespielt war".

Die junge Frau hatte zum Beginn der Verhandlung den Vorfall vom 4. März zutiefst bedauert. Gegen 8 Uhr war sie mit drei Rottweilern ausgegangen. Die Tiere seien nicht angeleint gewesen, räumte die 20-Jährige ein. Leinen habe sie zwar dabei gehabt, jedoch nur für den Fall, dass sich Passanten durch die Hunde belästigt gefühlt hätten. "Die Hunde schnüffeln sonst schon mal gerne", erklärte sie.

Die Hündin "Easy" sei, ohne dass sie das zunächst bemerkt habe, fortgelaufen, sagte die Angeklagte. 20 Minuten später dann sei das Tier wieder zu Hause gewesen. In dieser Zeit fiel die Hündin die alte Frau vor ihrer Haustür an. Die Rentnerin, die gerade dabei war, ihren Abfall in die Mülltonne zu bringen, hatte keine Chance. Nicht ausgeschlossen ist, dass die Hündin die Rentnerin zunächst nur angesprungen hatte, um mit ihr zu spielen. Doch durch die Wucht des Aufpralls soll die Rentnerin umgefallen und dann von "Easy" zerfleischt worden sein. Das Tier verbiss sich in Kopf und Nacken der Frau und durchtrennte deren Halswirbelsäule, hieß es im Obduktionsbericht.

Erklärungen für das Verhalten des Hundes hatte die 20-Jährige nicht. Sie beschrieb den Hund als gutmütig, freundlich und sicher. Auch ein Hundepsychologe der hessischen Polizeischule hatte in einem Gutachten versichert, der kurz nach dem Angriff eingeschläferte Hund habe keine Anzeichen gezeigt, gehässig oder bissig zu sein. "Easy war immer sehr lieb, das war für mich unvorstellbar", sagte die junge Frau vor Gericht.

Richter Korf erklärte in seiner Urteilsbegründung, die junge Frau habe ihre Fähigkeiten überschätzt. "Kein Mensch kann drei Rottweiler ausführen, auch nicht mit der Leine." Mit "Easy" hatte es bereits in den vergangenen Jahren zwei Vorfälle gegeben, die stutzig hätten machen müssen. Einmal hatte die Rottweiler-Hündin einen kleinen Jungen in den Arm gebissen, ein anderes Mal Enten und Gänse angefallen.

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