• Kampfhund-Debatte: In Köln verletzt ein Pitbull-Terrier einen alten Mann schwer im Gesicht - er hatte auf den Leinenzwang hingewiesen

Welt : Kampfhund-Debatte: In Köln verletzt ein Pitbull-Terrier einen alten Mann schwer im Gesicht - er hatte auf den Leinenzwang hingewiesen

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Trauer und Fassungslosigkeit beherrschen Deutschland, einen Tag, nachdem ein Kampfhund in Hamburg den sechsjährigen türkischen Jungen Volcan auf seinem Schulgelände getötet hat. Das Thema dominiert die privaten Gespräche. Die Berichte in der Zeitung, im Radio und die Bilder im Fernsehen wühlen die Menschen auf und machen sie zugleich ratlos. "Was muss eigentlich noch passieren?" Diese Frage ist allerorten zu hören. Dass sich gestern die Politiker zu Wort meldeten, löst bei vielen Menschen Skepsis aus. Seit vievielen Jahren wird über das Problem geredet? Seit wievielen Jahren behalten die Bedenkenträger die Oberhand?

Das Grauen hört nicht auf. Ein 73-jähriger Rentner ist am Montagabend in Köln durch den Biss eines Kampfhundes im Gesicht schwer verletzt worden. Nach Angaben der Polizei hatte der Mann den Halter eines nicht angeleinten Pitbull-Terriers auf die Gefährlichkeit des frei laufenden Tieres und auf die Tötung eines Kindes durch einen Kampfhund in Hamburg angesprochen. Daraufhin habe der Hundehalter auf den Rentner eingeschlagen, der hingefallen sei. Der Pitbull habe dem Daniederliegenden ins Gesicht gebissen. Der Mann sei mit schweren Gesichtsverletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Von dem Hundehalter fehle noch jede Spur. In Krefeld-Uerdingen erschoss ein Polizist in der Nacht zum Dienstag einen Kampfhund. Nach Angaben der Polizei waren zwei Beamte wegen Ruhestörung in ein Mehrfamilienhaus gerufen worden. In der Wohnung hätten die Beamten auch einen Kampfhund angetroffen, der erst nach mehrfacher Aufforderung von der Wohnungsinhaberin in einen anderen Raum gebracht worden sei. Plötzlich habe das Tier zähnefletschend wieder vor einem Polizisten gestanden, woraufhin der andere Beamte das Tier mit einem Kopfschuss getötet habe.

Kinder können nach dem Erlebnis erschreckender Ereignisse wie dem tödlichen Kampfhundeangriff auf einen Hamburger Jungen dauerhafte Ängste davontragen. Dies sagte Professor Peter Riedesser, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätskrankenhaus Eppendorf (UKE). "Es handelt sich um eine schwere psychische Traumatisierung", sagte Riedesser, "denn die Kinder haben einmal miterlebt, dass ein Freund wirklich zerstückelt wurde von Kampfhunden." Da auch Erwachsene ihren Kindern in dieser Situation nicht helfen konnten und damit sich dieses Erlebnis nicht zu lebenslangen Angstträumen ausweitet, müssten die Eltern nun intensiv mit ihren Kindern sprechen und das Erlebte mit Puppen nachspielen.

"Wenn in Hamburg die freien Flächen den Hunden gehören", dann bleibe den Kindern kein sicherer Raum, erläuterte Riedesser. Zusätzlich seien Hunde für jüngere Kinder nie klein, sondern sie würden als "riesig" empfunden. "Jeder Hund, den das Kind sieht, ist eine Gefahr. Das erhöht das Angstpotenzial für Kinder", meinte der Wissenschaftler. Die Urangst von Kindern - das Beißen, das Fressen und das Gefressenwerden, die sie aus Märchen kennen - werde bei einem solchen Angriff plötzlich real.

Vorbeugen könnten Eltern solchen Angstzuständen ihrer Kinder nur, indem sie ihnen Sicherheit vor einem erneuten Angriff versprechen. Deshalb forderte der Psychologe ein Verbot der gefährlichen Rassen in Deutschland. "Selbst das Tragen von Maulkörben entängstigt Kinder nicht. Aber es wäre zumindest ein gewisser Schritt."

Der Geschäftsführer des Deutschen Kinderschutzbundes, Walter Wilken, hat dem Staat im Zusammenhang mit Unfällen von Kampfhunden Untätigkeit vorgeworfen. Durch Kampfhunde würden besonders Kinder in ihren sozialen Bewegungsfeldern eingeschränkt, sagte er. Es sei totaler Unfug, wenn man ihnen beibringen wolle, in der Nähe von Kampfhunden cool zu bleiben und sich nicht hektisch zu bewegen. "Es kann nicht sein, dass wir Kinder dressieren, damit Hunde zu ihrem Recht kommen."

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