Kampfsport : Ein Käfig voller Männer

Der brutale Kampfsport "Ultimate Fighting" kommt nach Deutschland – und ruft Widerstand hervor. Kritiker bemängeln, die Brutalität des "Ultimate Fighting" könne gerade für Minderjährige gefährdend sein. Auch Sportmediziner schlagen Alarm.

Johannes Schneider
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Hinter Maschendraht. Männer beim Ultimate Fighting in Las Vegas. -Foto: Getty

Es ist die härteste Kampfsportart der Welt, und jetzt kommt sie erstmals nach Deutschland: Käfigkämpfe. Am 13. Juni sollen in der Kölner Lanxess-Arena zehn solcher Freistil-Kämpfe des amerikanischen Verbandes „Ultimate Fighting Championship“ (UFC) stattfinden. Jugendliche und Kinder werden dann nicht im Publikum sitzen: Nach Protesten von Politikern hat der Veranstalter am Montag einer Altersbeschränkung beim Ticketverkauf zugestimmt.

Ursprünglich wollte der Kölner Stadtrat den Kampfabend ganz verbieten. Doch da das städtische Amt für öffentliche Ordnung die Veranstaltung als nicht genehmigungspflichtig eingestuft hat, ist juristisch wenig zu machen. „Ich bin überzeugt, dass man die Veranstaltung nicht verbieten kann“, sagt der Kölner Bürgermeister Manfred Wolf (FDP).

Kritiker bemängeln, die Brutalität des „Ultimate Fighting“ sei gerade für Minderjährige gefährdend. „Bei Ultimate Fighting werden Kampfdarstellungen in ultimativer Gewalt zelebriert, so dass von einem verrohenden Einfluss auf Kinder und Jugendliche auszugehen ist“, sagt Marie-Luise Quilling vom Kölner Jugendamt. Zwar sind die Kämpfe seit März auch im Deutschen Sport-Fernsehen (DSF) zu sehen, dort allerdings erst nach 23 Uhr. „Wir haben diese Sendungen geprüft“, sagt Verena Weigand, Leiterin der Kommission Jugendmedienschutz, „und wir sind der Meinung, dass sie tatsächlich nur nachts laufen sollten.“

In den USA ist „Ultimate Fighting“, bei dem die Kontrahenten in einem umzäunten achteckigen Ring gegeneinander antreten, mittlerweile beliebter als das klassische Boxen. Ohne Kopfschutz und mit fingerlosen, 140 Gramm leichten Handschuhen schlagen, treten und ringen die Kämpfer, bis einer von ihnen aufgibt oder k. o. geht. Der Sturz auf den Ringboden alleine beendet den Kampf nicht – auch auf den am Boden liegenden Gegner darf weiter eingeschlagen werden.

„Ich halte es für indiskutabel, so etwas als Sport anzusehen“, sagt Eileen Wanke, Sportmedizinerin an der Berliner Humboldt-Universität. Das Risiko einer gefährlichen Kopfverletzung sei „extrem hoch“. Das Argument der Veranstalter, dass es durchaus Regeln gebe und dass mindestens vier Ärzte am Ring sein werden, lässt Wanke nicht gelten. Eine Hirnblutung, ausgelöst durch Schläge gegen den Kopf, könne auch noch Monate nach einem Kampf auftreten – und tödlich enden. „Dann gehen Sie abends ins Bett und wachen morgens nicht mehr auf.“

Gerade in Zeiten, in denen der Amoklauf von Winnenden die öffentliche Sensibilität gegenüber Gewaltdarstellungen geschärft hat und die Politik mit einer Verschärfung des Waffenrechts reagiert hat, sei die Austragung des Kampfabends das falsche Signal, meint das Kölner Ratsmitglied Martin Müser. „Es kann nicht sein, dass wir mit allen Mitteln versuchen, soziale Brennpunkte wieder ins Gleichgewicht zu bringen, und dann UFC daherkommt und es eine solche Veranstaltung in einer der größten Arenen gibt.“

Jugendliche können ihre Tickets für den Kampfabend jetzt zurück geben. Nach Angaben des Veranstalters Marek Lieberberg lief der Vorverkauf bisher gut. 7000 Tickets seien bereits verkauft – und das bei Preisen zwischen 33 und 287 Euro. mit dpa

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