KANADA : Groß im Geschäft

Kanada gehört zu den großen Pferdefleischexporteuren für den Weltmarkt. In den vergangenen Jahren wurden dort jährlich zwischen 80 000 und mehr als 100 000 Pferde geschlachtet. Das Fleisch wird vor allem nach Europa und Asien exportiert. Nur wenigen Kanadiern ist das bewusst. Im anglokanadischen Raum wird Pferdefleisch kaum konsumiert, eher schon in der von Frankreich geprägten Küche Quebecs. Neben den Kanus waren Pferde wichtige Transportmittel bei der Erschließung des Westens Kanadas, Pferde halfen, die Weiten der Prärie urbar zu machen. „Die Rancher arbeiteten mit Pferden, sie haben in ihnen aber kein Nahrungsmittel gesehen“, sagt die Landwirtschaftsexpertin Sylvain Charlebois von der Universität von Guelph in Ontario. Für die englischstämmige Bevölkerung sei Pferdefleisch „ein kulinarisches Tabu“. Die Pferdeschlachterei erlebte in Kanada einen Aufschwung, nachdem die USA 2007 das letzte Pferdeschlachthaus geschlossen hatten. Damals wurden in Kanada nur rund 50 000 Pferde für den menschlichen Konsum getötet, jetzt sind es doppelt so viele. Die Statistiken des kanadischen Landwirtschaftsministeriums zeigen den deutlichen Anstieg seit 2007, mit der Spitze von 113 000 geschlachteten Pferden im Jahr 2008. Seitdem gingen die Zahlen wieder zurück. Nach den Daten des kanadischen Statistikamts exportierte Kanada im vergangenen Jahr 17 664 Tonnen Fleisch von Pferden, Eseln, Mauleseln und Maultieren, wobei der weitaus größte Teil von Pferden ist. Belgien ist mit 5000 Tonnen der größte Abnehmer, gefolgt von Frankreich, Japan, Kasachstan und der Schweiz. Der Wert der Exporte wird mit 90 Millionen Dollar (knapp 70 Millionen Euro) beziffert. Gerd Braune

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