Kanada/USA : Spektakel mit Sicherung

Der US-Drahtseilkünstler Nik Wallenda will am kommenden Freitag die Niagarafälle überqueren.

Gerd Braune
Ein Lebenstraum wird wahr. Der 33-jährige Nik Wallenda bereitet sich auf die Überquerung der Niagarafälle vor.
Ein Lebenstraum wird wahr. Der 33-jährige Nik Wallenda bereitet sich auf die Überquerung der Niagarafälle vor.Foto: REUTERS

Für Nik Wallenda geht ein Traum in Erfüllung – aber nicht ganz. Der amerikanische Drahtseilkünstler will am kommenden Freitagabend die Niagarafälle zwischen Kanada und den USA überqueren. Er wollte die Strecke auf dem Drahtseil ohne Sicherheitsgurt zurücklegen. Aber der US-Sender ABC, der das Spektakel übertragen wird und teilweise finanziert, legte sein Veto ein. Er bestand darauf, dass Wallenda mit Sicherung den Spaziergang unternimmt. Einen Todessturz will ABC nicht zeigen.

Nik Wallenda, der 33-jährige Artist und „König des Drahtseilakts“, scheint selbst am meisten darüber enttäuscht zu sein, dass er am Abend des 15. Juni – das Spektakel soll etwa eine halbe Stunde dauern – nicht ohne Absicherung den rund 550 Meter langen Weg auf dem fünf Zentimeter breiten Drahtseil bewältigen darf. „Es ist entmutigend“, gab er zu Protokoll, als er vor etwas mehr als zwei Wochen von der Auflage des Senders hörte. „Ich wollte es ohne irgendwas machen.“ Dass er sich nun doch absichern müsse, „nimmt etwas weg“. Vermutlich meinte er damit die Spannung bei den Zuschauern, ob nicht möglicherweise doch etwas Tragisches passieren könnte.

Der Drahtseilakt über die imposanten kanadischen „Horseshoe Falls“, dem als Halbkreis geformten „Hufeisen-Fall“, wird der erste seit mehr als 100 Jahren sein. Der erste Akrobat, der dies machen durfte, war am 30. Juni 1859 Jean François Gravelet, bekannt als „The Great Blondin“, der Große Blonde. Unter den neun Akrobaten, die die Schlucht überquerten, war eine Frau, die 23-jährige Italienerin Maria Spelterina, und einer kam dabei ums Leben. Der 21-jährige James Hardy war der jüngste und bisher letzte Seiltänzer über den Niagarafällen. Das war im Juli 1896.

Nun kommt Nik Wallenda, dessen Familie eine ins 18. Jahrhundert und in die österreichisch-ungarische Monarchie zurückreichende Artistentradition hat. Sein Urgroßvater, der 1905 in Magdeburg geborene Karl Wallenda, hatte durch sein Engagement bei den Zirkussen Ringley Brothers und Barnum & Bailey 1928 seine Familie in die USA gebracht. Nik Wallenda hat seinen Urgroßvater, den er bewundert, nie kennengelernt. Karl Wallenda stürzte 1978 in San Juan in Puerto Rico zu Tode, als er im Alter von 73 Jahren ein zwischen zwei Gebäude gespanntes Drahtseil überqueren wollte.

Als Zweijähriger hatte Nik Wallenda erstmals seinen Fuß auf ein Drahtseil gesetzt und als Kind die Niagarafälle gesehen. Seitdem wollte er sie, so seine Biografie, überqueren. „Es ist ein Traum, den ich immer verwirklichen wollte“, sagt er.

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