Kanalinsel Jersey : Britische Polizei sucht nach ermordeten Kindern

Sie wurden vor Jahrzehnten sexuell missbraucht, ermordet und verscharrt: Nach der Entdeckung einer Kinderleiche sucht die Polizei auf der britischen Kanalinsel Jersey nach weiteren Opfern aus einem ehemaligen Kinderheim.

London Die Suche wurde nach der Entdeckung einer verwesten Kinderleiche am Wochenende auf insgesamt sieben potenzielle Fundstellen erweitert, teilte Jerseys stellvertretender Polizeichef Lenny Harper mit. "Wir müssen von einem schweren Verbrechen ausgehen", sagte er. Weitere Leichenfunde sind denkbar.

Bei der Suchaktion in einem ehemaligen Kinderheim und dessen Umgebung in der Ortschaft St. Martin werden die Ermittler von Spürhunden unterstützt, die auch bei der Fahndung nach dem im Mai in Portugal verschwundenen britischen Mädchen Madeleine im Einsatz waren.

140 Missbrauchs-Opfer haben sich bereits gemeldet

Ihren Anfang hatte die Polizeiaktion bereits im November genommen, als einstige Heiminsassen von systematischem Kindesmissbrauch in dem damaligen Heim "Haut de la Garenne" berichteten. Die Verbrechen sollen in der Zeit von 1960 bis zur Schließung des Kinderheims 1986 verübt worden sein. Die Polizei nahm inzwischen mehrere ehemalige Heimangestellte fest. Seit Beginn der Ermittlungen haben sich mehr als 140 mutmaßliche Opfer von Kindesmissbrauch gemeldet.

Jersey ist die größte der fünf bewohnten Kanalinseln und mit rund 90.000 Bewohnern auch die bevölkerungsreichste. Die für schöne Strände und Klippen berühmte Insel liegt im Ärmelkanal 20 Kilometer vor der nordfranzösischen Küste. Die Kanalinseln gehören nicht direkt zu Großbritannien, sondern sind als Kronbesitz dem britischen Königshaus unterstellt. Obwohl nicht Mitglied der Europäischen Union gehören sie zum EU-Zollgebiet. (ho/dpa)

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