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Kap Arkona : Suche nach vermisstem Mädchen auf Rügen abgebrochen

Die Suche nach dem seit Montag vermissten zehn Jahre alten Mädchen nach dem Kreideabbruch auf der Insel Rügen ist abgebrochen worden.

Die Suche nach dem vermissten Mädchen auf Rügen musste am Dienstagmittag abgebrochen werden. Foto: dapdAlle Bilder anzeigen
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27.12.2011 13:15Die Suche nach dem vermissten Mädchen auf Rügen musste am Dienstagmittag abgebrochen werden.

Ein weiterer Einsatz der Rettungsteams sei wegen der stürmischen Witterung zu gefährlich, sagte der stellvertretende Landrat des Kreises Vorpommern-Rügen, Lothar Großklaus, am Dienstagmittag. Es bestehe die Gefahr von weiteren Küstenabbrüchen. Die technischen Möglichkeiten seien ausgeschöpft. Die Suche soll seinen Angaben zufolge wieder aufgenommen werden, sollten sich beispielsweise durch Strandausspülungen neue Hinweise ergeben. Die Suche nach dem aus Perleberg stammenden Kind war zunächst am Morgen mit 160 Rettungskräften und acht Spürhunden fortgesetzt worden. Das Gebiet um die Unglücksstelle wurde inzwischen weiträumig abgesperrt.

Bis zum Mittag fehlte ein Lebenszeichen von dem Mädchen. Einsatzleiter Daniel Hartlieb sagte der Nachrichtenagentur dpa, Suchhunde hätten in der Nacht zum Dienstag an einer Stelle angeschlagen. Daraufhin sei dort gezielt gegraben worden, allerdings bislang ohne Erfolg, sagte Hartlieb. Die Chancen, das Kind lebend zu finden, dürften 16 Stunden nach dem Unglück bei niedrigen Temperaturen aber gering sein. Zudem mache das Wetter die Rettungsaktion zunehmend schwieriger.

In der Nacht sei es auf der Insel stürmischer geworden, sagte Carina Schmidt vom Kreis Vorpommern-Rügen am Morgen. Der zunehmende Westwind drücke das Wasser an die Küste. „Man weiß auch nicht, wenn Regen kommt, ob sich neue Erdmassen vom Hang lösen“, sagte Schmidt. Dann müsse der Einsatzleiter entscheiden, ob die Suche womöglich abgebrochen werde.
Bis dahin laufe sie aber noch „auf Hochtouren“.

Ein Kreideabbruch an Rügens Steilküste hatte das Mädchen mit sich gerissen und verschüttet. Während ihre Mutter und ihre Schwester verletzt in ein Krankenhaus kamen, gab es auch fast 13 Stunden nach dem Unglück noch kein Lebenszeichen von der Zehnjährigen. Mehr als 100 Retter suchten die ganze Nacht über nach dem Mädchen, das wohl unter einer riesigen Menge Kalkschlamm begraben wurde. Suchhunde hätten dort angeschlagen, sagte der Einsatzleiter der Nachrichtenagentur dpa in der Nacht. Die Chancen, das Kind lebend zu finden, dürften bei den Temperaturen aber gering sein.

Die Mutter und ihre Töchter waren am Montagnachmittag unweit der Leuchttürme von Kap Arkona bei einem Strandspaziergang von dem Küstenabbruch erfasst worden, der sich aus dem Kreidefelsen gelöst hatte. Die Steilküste sei dort mehr als 35 Meter hoch, sagte eine Sprecherin des Kreises Vorpommern-Rügen auf Nachfrage. Die Mutter wurde bei dem Erdrutsch schwer verletzt, ihre 14 Jahre alte Tochter leicht. Eine vierköpfige Familie, die sich in der Nähe aufhielt, blieb unverletzt.

Die Polizei hatte nach eigenen Angaben gegen 15.30 Uhr von dem Abbruch erfahren. Der Landkreis löste Großalarm aus und richtete eine Einsatzzentrale ein. Feuerwehr, Polizei, Technisches Hilfswerk (THW), Rotes Kreuz und weitere Einsatzkräfte suchten seitdem auch mit Hundestaffeln und Suchscheinwerfern nach dem Mädchen. Schweres Gerät habe aber nicht eingesetzt werden können, weil es zu dem Strand keine Zufahrtstraßen gäbe, sagte ein THW-Sprecher.

Aus dem nahe gelegenen Vitt sei stattdessen ein Amphibienfahrzeug herbeibeordert worden, um mit einer Baggerschaufel beim Graben in dem schweren Schlamm zu helfen, sagte der THW-Mitarbeiter. „Denn die Schaufel wird mit jedem Spatenstich schwerer.“ Sturmböen erschwerten die Arbeit zwar zusätzlich, weil der Wind aber vom Land her wehte, würde die Suche zur Not auch die ganze Nacht über weitergehen.

Von der Seeseite her waren zunächst auch die Rettungskreuzer „Wilhelm Kaisen“ und die Rettungsboote „Helene“ und „Kurt Hoffmann“ im Einsatz, wie die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) in Bremen mitteilte. Schiffe der Wasserschutzpolizei und der Bundespolizei seien ebenfalls zur Unglücksstelle dirigiert worden. Zum Zeitpunkt des Unglücks hätten dort Windstärken von bis zu sieben Beaufort (60 Kilometer pro Stunde) geherrscht.

Auf Deutschlands größter Insel Rügen kommt es immer wieder zu unkontrollierbaren Abbrüchen der Steilküste. Der verregnete Sommer hat die Gefahr nach Angaben von Geologen vergrößert. Im August dieses Jahres war zum größten derartigen Vorfall seit neun Jahren gekommen; ein 100 Meter langer und 70 Meter hoher Abschnitt eines Felsens stürzte ins Meer. Spaziergänge unter dem Kliff können deshalb gefährlich sein. Die Behörden wollen den 13 Kilometer langen Küstenabschnitt mit Steilküste jedoch nicht sperren.. (dpa)

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