Karlspreis : Merkel kommt - Bruni bleibt zu Hause

Diese Absage hat in Aachen für lange Gesichter gesorgt. Carla Bruni wird ihren Ehemann, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, am Donnerstag nicht zur Verleihung des Karlspreises nach Aachen begleiten. So wird am Himmelsfahrtstag eine andere Frau im Mittelpunkt stehen: die diesjährige Karlspreisträgerin Angela Merkel.

Merkel
Große Ehre: Angela Merkel bekommt den Karlspreis. -Foto: dpa

AachenSeit Wochen rüsten sich Stadtverwaltung und Polizei für die wohl aufwendigste Karlspreisverleihung seit acht Jahren. Damals war der amerikanische Präsident Bill Clinton für seine Bemühungen um Europa geehrt worden. Für den prominenten Gast wurde seinerzeit die Aachener Innenstadt komplett gesperrt.

Demonstrationen gegen Merkel geplant

Auch für Merkel gilt die höchste Sicherheitsstufe, teilte die Polizei mit. Traditionell wird der Karlspreis am Himmelfahrtstag vergeben. Der Feiertag fällt in diesem Jahr auf den 1. Mai, was zu einiger Brisanz führt. Denn so hält auch der DGB seine traditionelle Kundgebung in der Aachener Innenstadt ab, dazu sind bislang vier Demonstrationen angemeldet, die sich gegen Merkel als Preisträgerin richten.

Ungewöhnlich rasch hatte sich das Karlspreisdirektorium im vergangenen November auf die Bundeskanzlerin geeinigt. Sie erhalte den Preis "in Würdigung ihres herausragenden Beitrags zur Überwindung der Krise der EU und in Anerkennung richtungweisender Entscheidungen zum Fortschreiten des europäischen Einigungsprozesses", hieß es in der Begründung. Besonders betont wurden Merkels Leistungen während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Die Kanzlerin sei "eine große Europäerin".

Ausdrücklich erinnerte man in Aachen an die sehr persönlichen Worte, die Merkel im Januar 2007 vor dem Europäischen Parlament in Straßburg fand: "In der Europäischen Union bin ich noch eine Jugendliche, denn aufgewachsen bin ich in der ehemaligen DDR. Ich kenne die Europäische Union bis zu meinem 35. Lebensjahr also nur von außen, und ich kenne sie seit 1990 von innen." Die EU sei für sie eine "historische Erfolgsgeschichte ohne Beispiel", ein "wunderbares Haus", aus dem sie "nie wieder ausziehen" wolle, bekannte Merkel damals.

Sarkozy hält Lobrede auf Merkel

Die Laudatio auf Merkel wird der französische Präsident Nicolas Sarkozy halten. Er habe sich sehr über die Anfrage gefreut, hatte Sarkozy im vergangenen Dezember verlauten lassen. Es sei eine große Ehre für ihn, die Laudatio auf "seine gute Partnerin Angela Merkel" zu halten. Sarkozy war der Wunschkandidat des Karlspreisdirektoriums. Ob sich der Enthusiasmus des französischen Staatsoberhaupts angesichts diverser Meinungsverschiedenheiten mit Merkel in den vergangenen Monaten gehalten hat, wird sich erst am Donnerstag zeigen. Sowohl die Bundeskanzlerin wie auch Sarkozy wollen die Preisverleihung in Aachen zu europapolitischen Grundsatzreden nutzen, hieß es vorab.

Die Bundeskanzlerin ist nach Simone Veil, Gro Harlem Brundtland und Königin Beatrix erst die vierte Frau, die seit 1950 den Karlspreis erhält. Der letzte deutsche Preisträger war 1997 der damalige Bundespräsident Roman Herzog. Im vergangenen Jahr erhielt EU-Chefdiplomat Javier Solana den Karlspreis, der mit 5000 Euro dotiert ist.

Schon am Tag vor der Preisverleihung wird Merkel in Aachen erwartet. Am Mittwochabend stellt sie sich in einer Diskussionsrunde den Studenten der RWTH Aachen. Dann stehen ein Besuch des Aachener Doms und eine Visite beim traditionellen Karlspreisfest auf dem Katschhof auf dem Programm. (sba/ddp)

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