Welt : Karneval am Rosenmontag: Samba, Sex und Sonne

Sie tanzten und feierten zu Hunderttausenden bis zum Sonnenaufgang. Am ersten von zwei Parade- Tagen, die den Höhepunkt der jährlichen Karnevals-Feiern in Rio de Janeiro markieren, zeigten die Samba-Tänzerinnen vor allem viel nackte Haut. Die Umzugswagen bestachen mit einer nie zuvor gesehenen Farben- und Lichter-Pracht. Fast elf Stunden feierten die Menschen - von Sonntagnachmittag bis nach Sonnenaufgang am Montag. Auch die ehemalige First Lady der USA, Barbara Bush, ließ sich vom südamerikanischen Temperament anstecken. Zusammen mit 70 000 Zuschauern im "Sambodromo"-Stadion "klatschte und lachte" die Mutter des derzeitigen US-Präsidenten George W. Bush unentwegt, wie die Zeitung "O Globo" schrieb.

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Der Umzug zu den heißen Samba-Rhythmen begeisterte auch die Millionen, die die "größte Party der Welt" zu Hause oder in Kneipen und Restaurants am Bildschirm verfolgten. Für Furore sorgten eine neue aus Deutschland importierte Beleuchtungsanlage sowie das wieder zugelassene Feuerwerk. "Das ist der farbenprächtigste Umzug aller Zeiten", meinte Sergio Cavalcante von der Tourismusbehörde Riotur. Sehr farbig waren auch die prachtvollen Kostüme mit ihren vielen Federn - aber einige der Tänzerinnen verzichteten gänzlich darauf und "bekleideten" sich nur mit Schuhen und Farbe.

Insgesamt 14 der so genannten Sambaschulen gestalten die zweitägige Parade mit bis zu 8000 Sängern und Tänzern. Die Parade wird in Brasilien ernster genommen als die nationale Fußballmeisterschaft. Eine von der Regierung ernannte Jury wird am Mittwoch die Sieger-Schule bekannt geben. Die Blätter berichteten am Montag fast nur über den Karneval - Sportveranstaltungen und Parlamentsdebatten gibt es nicht, die Geschäfte haben geschlossen.

Die Parade 2002 ist die teuerste, gleichzeitig aber auch schon jetzt die gewinnträchtigste in der Geschichte des Karnevals in Rio. Die Samba-Schulen, die "Escolas", die in den Elendsvierteln Rios ihre Wurzeln haben, gaben zusammen mit der Stadt 30 Millionen Real (rund 14 Millionen Euro) für die Vorbereitungen aus. Menschen, die in Slums leben und mit dem Mindestgehalt von 180 Real (etwa 90 Euro) im Monat auskommen müssen, zahlten für die prächtigen Kostüme bis zu 500 Euro.

Karneval ist aber für Schulen und für die Stadt ein exzellentes Geschäft: Der TV-Sender "Globo" zahlte für die Übertragungsrechte umgerechnet fünf Millionen Euro.

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