Karneval in Rio : Richter verbieten Holocaust-Wagen

Der Streit um einen Auftritt bei der weltberühmten Parade eskaliert: Eine Sambagruppe plante einen Wagen mit künstlichen Leichen - und auch Hitler sollte nicht fehlen.

Leichen
Makaber: Leichenwagen als Karneval-Verzierung. -Foto: AFP

Rio de JaneiroAuf Antrag der jüdischen Gemeinde der brasilianischen Metropole verbot eine Richterin am Donnerstag (Ortszeit) den Auftritt des umstrittenen Holocaust-Gefährts. Der Wagen sollte am ersten Tag der Parade in der Nacht zum Montag mit künstlichen aufeinandergestapelten Leichen zu Sambarhythmen durch das Karnevalsstadion Sambodromo fahren. Nicht mitmarschieren darf gemäß Entscheidung auch ein Tänzer mit Adolf-Hitler-Kostüm, der sich neben und auf dem Holocaust-Wagen präsentieren sollte.

Der Sprecher der Liga der Sambaschulen in Rio (Liesa), Hiram Araujo, prangerte das Urteil empört als "Zensur" an. Es sei unverständlich, dass man im Kino und im Theater den Holocaust und andere Dinge thematisieren könne und das beim Karneval verboten werde. Der Chef der für den Wagen verantwortlichen Sambagruppe Viradouro, Marco Lira meinte, man wollte eine reuige Hitlerfigur mit gesenktem Haupt präsentieren. "Wir wollten Gänsehaut erregen. An dem Wagen ist nichts Schändliches dran. Wir wollten zeigen, was damals (während der Nazizeit) passiert ist. Das hat die Welt erschüttert, und heute kennen viele (in Brasilien) diese Geschichte nicht mehr", sagte er.

Überraschender Protest geplant

Lira versicherte, er werde die Justizentscheidung zwar respektieren. Beim Umzug wolle er aber "mit einer großen Überraschung gegen die Einschränkung der künstlerischen Freiheit" protestieren. "Wartet nur ab, ich verrate noch nichts", sagte er geheimnisvoll. Ein Reporter des Nachrichtenportals G1 schrieb, die Verbotsnachricht habe die Mitglieder von Viradouro bei den letzten Vorbereitungen für den Umzug in tiefe Traurigkeit versetzt.

Die jüdische Gemeinde in Rio de Janeiro hatte den Holocaust-Wagen als "unpassend" kritisiert. Proteste gegen das Vorhaben hatte es auch aus Argentinien gegeben. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum in Buenos Aires forderte, der Karneval dürfe nicht zur Schändung des Gedenkens an den Holocaust missbraucht werden. Ein Umzug mit Musik sowie mit halbnackten Männern und Frauen, die fröhlich tanzten, diene nicht dem Gedenken an die Opfer und sei vielmehr "ein abscheuliches Spektakel für die Überlebenden und deren Familien", hieß es in der Erklärung. (mpr/dpa)

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